Inhalt Rechts

Rechte optische Spalte

Inhalt Mitte

Hauptinhalt

Ansprache beim Neujahrsempfang des Herrn Bundespräsidenten (15. Jänner 2013)

 

Exzellenz,

sehr verehrter Herr Bundespräsident!

Der Jahreswechsel ist immer wieder ein schöner Anlaß, mit vielen guten gegenseitigen Wünschen ins Neue Jahr einzutreten. Auch heuer ist es mir wieder eine große Freude und Ehre, hier im prachtvollen Zeremoniensaal der Hofburg, als Doyen, im Namen der Mitglieder des bei der Republik Österreich akkreditierten Diplomatischen Corps, Ihnen, Herr Bundespräsident, in respektvoller Verbundenheit unsere besten und aufrichtigen Glückwünsche für das vor uns liegende Jahr auszusprechen. Die hier in Wien akkreditierten Botschafterinnen und Botschafter wünschen Ihnen, den Mitgliedern der Österreichischen Bundesregierung und dem gesamten österreichischen Volk von Herzen Gottes reichen Segen, Frieden, Erfolg, Glück und frohes Wohlergehen für das begonnene Jahr 2013!

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren!  Ein Blick auf das vergangene Jahr läßt uns Erreichtes und Versäumtes, Hoffnungen und Enttäuschungen feststellen. Es ist nicht meine Aufgabe hier und jetzt auf Einzelheiten ausführlich einzugehen. Hinzu kommt, daß uns die Medien meist mit schrecklichen Nachrichten konfrontieren: Naturkatastrophen, von Menschen herbeigeführte Tragödien wie Wirtschafts- und Finanzkrise, Kriege, Verfolgungen und Vertreibungen. Auch Sie, sehr verehrter Herr Bundespräsident, haben in Ihrer diesjährigen Neujahrsansprache auf die „Stärken und Schwächen der Gegenwart" hingewiesen und einige Grundprinzipien in Erinnerung gerufen, die zur Lösung der Probleme beitragen können. Es sind dies: „persönliche Redlichkeit, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Fairneß und Gerechtigkeit" (cfr. Bundespräsident Dr. Heinz Fischer: Neujahrsansprache 2013).

Der Heilige Vater hat in seiner Weltfriedensbotschaft einen Appell an alle Menschen guten Willens gerichtet, Friedensstifter zu sein, denn: „Unsere Zeit, die durch die Globalisierung mit ihren positiven wie negativen Aspekten und durch weiter andauernde blutige Konflikte und drohende Kriege gekennzeichnet ist, erfordert in der Tat einen erneuten und einhelligen Einsatz in dem Bemühen um das Gemeinwohl wie um die Entwicklung aller Menschen und des ganzen Menschen." (Papst Benedikt XVI.: Weltfriedensbotschaft 2013, Abschn. 1).

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren! Ich möchte heute einen Blick zurück in die Geschichte werfen: Im Jahr 313 haben die Kaiser Konstantin und Licinius mit dem Edikt von Mailand den Christen und auch den Gläubigen anderer Religionen im Römischen Reich erlaubt, ihre Religion frei auszuüben. Bedauerlicherweise müssen wir feststellen, daß 1700 Jahre später es immer noch „örtlich begrenzte religiös motivierte Verfolgungen von Christen oder anderer Minderheiten" gibt, wie es Seine Allheiligkeit der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. in seiner Weihnachtsbotschaft formuliert hat (Kathpress, 22.12.2012).<br />

In diesem Zusammenhang darf ich auch erwähnen, daß vor 65 Jahren, am 10. Dezember 1948, die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Palais de Chaillot in Paris proklamiert wurde. Diese Menschenrechtscharta ist das ausdrückliche Bekenntnis der Vereinten Nationen zu den Allgemeinen Grundsätzen der Menschenrechte als Grundlage des humanitären Völkerrechts. In dieser Charta wird auch ausdrücklich die Religionsfreiheit als zentrales Menschenrecht erwähnt.

 

Bemerkenswert waren im vergangenen Jahr u.a. auch zwei besondere Ereignisse: das „100-Jahr-Jubiläum des Islam-Gesetzes in Österreich", und die feierliche Eröffnung, hier in Wien am 26. November, des Internationalen König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrums für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog (KAICIID), durch den saudischen Außenminister Prinz Saud Al Faisal Al Saud. Diese internationale Organisation, so hoffen wir alle, soll als stabile und permanente internationale Plattform für den Dialog zwischen den Weltreligionen dienen. Österreich und im besonderen die Stadt Wien, die Sitz zahlreicher internationaler Organisationen ist, werden durch dieses neue Zentrum bereichert. Es fügt sich in die große Tradition Österreichs als Drehscheibe des internationalen Dialogs und des Friedens ein.

Der Friedensnobelpreis, der in Oslo an die Europäische Union verliehen wurde, ist mit viel Freude aber auch mit einer gewissen Nachdenklichkeit aufgenommen worden. Diese hohe Auszeichnung ist gewiß eine Anerkennung für das in der Europäischen Integration Geleistete. Zurecht hat der EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy betont: „In einer Zeit der Unsicherheit erinnert dieser Tag die Menschen in Europa und der ganzen Welt an den wesentlichen Zweck der Union: die Bruderschaft zwischen den europäischen Nationen zu fördern, jetzt und in der Zukunft" (Die Welt, vom 11.12.2012).

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren! Wie wir alle wissen, hat die EU das Jahr 2013 zum Europäischen „Jahr der Bürgerinnen und Bürger" ausgerufen. Vielleicht darf ich als Eidgenosse mir erlauben zu sagen, daß ich zutiefst von der fundamentalen Bedeutung des Bürgersinns überzeugt bin. Es freut mich also, wenn die Europäische Union in diesem Jahr etwa die Aufklärung ihrer Bürgerinnen und Bürger über ihre Rechte und Pflichten und Möglichkeiten im Rahmen der EU-Bürgerschaft auf ihre Fahnen schreibt.

 

Außerdem beginnt in diesem Jahr 2013 innerhalb des Rates der EU Irland eine neue Trio-Ratspräsidentschaft gemeinsam mit Litauen und Griechenland. Ich spreche wohl im Namen aller Anwesenden, wenn ich unseren Kolleginnen und Kollegen dieser Staaten alles Gute und viel Erfolg für ihre Ratspräsidentschaften wünsche. Immerhin sind in naher Zukunft so bedeutende Dinge wie der nächste mehrjährige Finanzrahmen der EU (für die Jahre 2014-2020) zu verabschieden.

 

In diesem Kontext sehe ich auch den 50. Jahrestag des „Élysée-Vertrages", vom 22. Januar 1963, den General de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer unterzeichnet haben. Dieser Vertrag ist bis heute das Fundament der deutsch-französischen Freundschaft und Zusammenarbeit. Gespannt warten wir außerdem auf eine wichtige Konferenz, die hier in Wien stattfinden wird: auf das V. Global Forum der Allianz der Zivilisationen der Vereinten Nationen, das sich mit der Frage verantwortungsvoller Führung in Diversität und Dialog beschäftigen wird ( Promoting responsible Leadership in Diversity and Dialogue ). Außerdem ist heuer auch für Österreich ein wichtiges Wahljahr.

Leider ist die Weltwirtschaft noch immer von schwachem Wachstum geprägt. Das sind keine guten Aussichten vor allem für die ärmsten Länder. Daher dürfen die Anstrengungen zur Entwicklungszusammenarbeit nicht nachlassen, sondern sie müssen gezielt weitergeführt werden.

 

Angesichts der vielen und vielschichtigen Probleme, die wir alle kennen, müssen wir uns fragen, wie wir diese zu einer guten und gerechten Lösung hinführen können. Der französische Gesellschaftschronist Antoine de Rivarol (1753-1801) hat einmal prägnant gesagt: „Erst das Herz gibt dem Menschen das rechte Maß" (Antoine de Rivarol: Vom Menschen. Hrsg. u. übers. von U. Kunzmann, Berlin 2012). Lassen wir uns „vom rechten Maß" leiten, damit wir innerlich stark werden und kreative Energien freimachen, die uns helfen, Zukunftsängste zu überwinden und eine neue Solidarität zwischen Völkern und Konfessionen aufzubauen. Dies wird uns helfen, von der Besorgnis hin zum gegenseitigen Vertrauen zu gelangen, um so miteinander „eine gerechtere, brüderlichere und menschenwürdigere Welt aufzubauen, in der Kriege, Feindschaften und Zwietracht keinen Platz haben" (Papst Benedikt XVI.: Angelus, 1.01.2013). Es geht also nur mit „Rücksichtnahme aufeinander, Respekt voreinander, Verständnis füreinander und dem Willen miteinander die Probleme zu lösen und Herausforderungen annehmen zu wollen" (EP-Vizepräsident Othmar Karas).

Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren! Abschließend möchte ich diesen feierlichen Anlaß auch einmal dazu benützen, im Namen aller Kolleginnen und Kollegen, unsere tief empfundene Dankbarkeit auszusprechen, in einem so wunderschönen Land - „Land der Berge - Land der Dome" (Bundeshymne), zu leben und unseren verantwortungsvollen Dienst auszuüben. Dies ist nicht selbstverständlich wenn wir uns die Situation in der Welt von heute vor Augen halten. Es wird uns hier in Österreich und in Wien so viel Einzigartiges und Bereicherndes geboten. Ich erwähne nur einige Initiativen: das Forum Alpbach, das Europa-Forum Wachau, die vom Bürgermeister der Bundeshauptstadt organisierten Wiener Vorlesungen, die vielen Veranstaltungen in der Diplomatischen Akademie oder auch z.B. ein interessantes bilaterales Projekt zwischen Österreich und Mexiko: der altmexikanische Federkopfschmuck - Penacho genannt -, der im Museum für Völkerkunde einem breiten Publikum vorgestellt wurde. Wien ist die Stadt der Kultur und der Musik und in diesem Zusammenhang möchte ich meinen herzlichen Dank, im Namen aller Kolleginnen und Kollegen, der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aussprechen, die jedes Jahr den in Wien akkreditierten bilateralen Botschaftern die Gastloge der Direktion zum Besuch der Konzerte im Großen Saal zur Verfügung stellt. Herzlichen Dank!

 

Hochverehrter, lieber Herr Bundespräsident! Auch in diesem neuen Jahr darf ich im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen im Diplomatischen Corps und im eigenen Namen an dieser Stelle für die Unterstützung, die wir von Seiten der Re­publik Österreich und ihrer Behörden, insbesondere des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten, bei der Ausübung unserer Mission erfahren, bestens und aufrichtig danken!

  • Ihnen, hochverehrter Herr Bundespräsident, Ihrer Gemahlin und Ihrer Familie sowie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
  • den Mitgliedern der Österreichischen Bundesregierung und insbesondere dem hochgeschätzten Herrn Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten, seiner Familie und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
  • sowie allen Österreicherinnen und Österreichern

entbieten wir von Herzen unsere allerbesten und aufrichtigen Wünsche für ein gesegnetes, friedvolles und glückliches Jahr 2013.

Herzlichen Dank!

 

 

>> Die Rede herunterladen

>> englische Fassung

>> französische Fassung



Ansprache von
S.E. Erzbischof Dr. Peter Stephan Zurbriggen
Apostolischer Nuntius in Österreich
Doyen des Diplomatischen Corps
beim Neujahrsempfang des
Herrn Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer
(Wien, 15. Jänner 2012)