Inhalt Rechts

Rechte optische Spalte

Inhalt Mitte

Hauptinhalt

Predigt am Hochfest des hl. Markgrafen Leopold (15. November 2014)

Hl. Messe am Hochfest des hl. Markgrafen Leopold

in der Stiftskirche Kremsmünster

 

Predigt des Apostolischen Nuntius

Erzbischof Dr. Peter Stephan ZURBRIGGEN

 

(Hochfest des hl. Markgrafen Leopold, 15. November 2014, 10.30 Uhr )

L1: Spr 3,13-20; L2: Röm 8,26-30; Ev.: Lk 19,12-26

 

 

Hochwürdigster Herr Abt Ambros Ebhart!

Liebe Benediktiner!

Liebe junge Freunde aus nah und fern!

 

Mit ganz großer Freude möchte ich heute diese heilige Messe am Hochfest des hl. Leopolds, des zweiten Landespatrons von Oberösterreich, im Rahmen des diesjährigen Christkönig-Jugendfestivals, für Euch alle feiern. In der Feier der hl. Messe, die ja die Quelle und der Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens ist, vollzieht sich an uns das Werk unserer Erlösung (cfr. II. Vatikanum: Lumen Gentium, 3 u. 11). Sind wir uns bewußt, welch große Gnaden uns in der hl. Messe geschenkt werden.

 

Der hl. Leopold „vergaß nie den Glauben und die Barmherzigkeit“.

 

Papst Innozenz VIII., der den Markgrafen Leopold zur Ehre der Altäre erhoben hat, hat in der Bulle anläßlich der Heiligsprechung gesagt: „ Viele Heilige zeigen uns ihr Beispiel, aber wir weigern uns hartnäckig, diese nachzuahmen, und wenn von unserem Heil gesprochen wird, schützen wir unsere Schwachheit oder unsere irdischen Geschäfte vor. Das klare Beispiel des Fürsten Leopold, der verheiratet war und für viele Menschen zu sorgen hatte, ermahnt uns, alle Entschuldigungen fallen zu lassen, um uns im Guten zu üben. Dieser Mann Gottes, in Reichtum erzogen, immer der Freiheit zur Sünde ausgesetzt, mit Ehesorgen und Regierungsgeschäften belastet, vergaß nie den Glauben und die Barmherzigkeit. Er war berühmt wegen seiner Einfachheit, Mäßigkeit und Freigebigkeit. Seine Aufrichtigkeit und seine Demut erwarben ihm die Achtung aller Christen. … Er verwaltete das Zeitliche so, daß er das Ewige nicht aus den Augen verlor. Vierzig Jahre regierte er das Land Österreich. Während in anderen Ländern Mord und Totschlag herrschten, erhielt er das ihm vertraute Land in langem Frieden “ (Bulle zur Heiligsprechung Leopolds, in: Lektionar zum Stundenbuch, II/8, pp. 301f.). Im heiligen Markgrafen Leopold wird ganz deutlich sichtbar – Papst Benedikt XVI. hat dies in seiner Enzyklika Deus Caritas est so prägnant formuliert in Bezug auf die Heiligen –: „ Wer zu Gott geht, geht nicht weg von den Menschen, sondern wird ihnen erst wirklich nahe “ ( Deus Caritas est, 42).

 

„Warum ist der Mensch auf Erden?“

 

Liebe junge Freunde! Als Ministranten konnten wir früher Teile des Katechismus auswendig. Die Antwort auf die Frage des ersten Katechismusartikels „Warum ist der Mensch auf Erden?“ lautete: „Um Gott zu erkennen, zu lieben und dadurch in den Himmel zu kommen“. Auch Ihr fragt Euch vielleicht nach dem Sinn des Lebens? Worin besteht dieser und wie kann ich diesem näher kommen?

 

Der heilige Kirchenvater Gregor von Nyssa, aus dem 4. Jahrhundert, sagt uns so klar, daß „das Ziel eines tugendhaften Lebens“ darin besteht, „Gott ähnlich zu werden“ (Gregor von Nyssa, beat. 1). Die Tugend ist somit „eine beständige, feste Neigung das Gute zu tun. Sie ermöglicht den Menschen, nicht nur gute Taten zu vollbringen, sondern sein Bestes zu leisten. Mit all seinen sinnlichen und geistigen Kräften strebt der tugendhafte Mensch nach dem Guten. Er sucht es zu erreichen und entscheidet sich bei seinen konkreten Handlungen dafür“ (KKK, 1803). Auch wenn es heute nicht modern scheint, für ein tugendhaftes Leben zu plädieren, möchte ich Euch doch ganz neu dazu einladen. Der Weg der Einigung mit Christus ist der Weg aller Heiligen, ja aller Menschen.

 

Der Weg der Heiligen.

 

So möchte ich Euch von neuem dazu einladen, den Weg der Heiligen und der Heiligung zu gehen. Wenn wir nicht nur auf Gott hören, sondern ihm auch in unserem Alltag folgen, wird unsere Liebe zu ihm Tag für Tag glühender werden, so daß wir am Ende mit dem Apostel Paulus ausrufen können: „ Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir “ ( Gal 2,20). Das ist das gemeinsame Ziel aller Berufungen in der Kirche, daß Christus in mir lebt. Wenn wir das sagen können, dann haben sich die Wort des hl. Gregor von Nyssa in unserem Leben verwirklicht, daß wir Gott ähnlich geworden sind. Ich brauche vermutlich nicht gesondert darauf hinzuweisen, daß ein solches Leben das tägliche Gebet und den zumindest sonntäglichen Besuch der hl. Messe, der wöchentlichen großen Gnadenstunde, sowie die regelmäßige Beichte voraussetzt. Dann wird auch der Herr einst zu uns sagen können – wie wir es im heutigen Evangelium gehört haben –: „ Du bist ein tüchtiger Diener “ ( Lk 19,17). Wie Ihr wißt, hat Papst Franziskus das Jahr 2015 als Jahr der Orden ausgerufen. Beten wir also heute hier miteinander und füreinander für geistliche Berufungen für unsere Kirche, hier in Österreich.

 

Der Priester handelt in persona Christi capitis.

 

Liebe Freunde! Wenn ich so viele junge Menschen vor mir sehe, muß ich Euch noch ein Wort zum Priestertum sagen. Die Berufung und der Dienst des Priesters sind ein unermeßliches Geschenk nicht nur für die Kirche, sondern für die Menschheit überhaupt. Nichts wird den Dienst des Priesters im Leben der Kirche je ersetzen können! Ich möchte hier ganz klar und deutlich betonen, daß der Beruf des katholischen Priesters in erster Linie eine Berufung ist. Das heißt es ist also eine Erwählung durch den Herrn. Kraft des Weihesakramentes handelt der Priester „in der Person Christi des Hauptes“ [ in persona Christi capitis ]. Papst Pius XII. hat dies in seiner bis heute sehr bedeutenden Enzyklika Mediator Dei einst so anziehend erklärt: „Es ist der gleiche Priester, Christus Jesus, dessen heilige Person sein berufener Diener vertritt. Durch die Priesterweihe dem Hohenpriester angeglichen, besitzt er die Vollmacht, in der Kraft und an Stelle der Person Christi selbst zu handeln“ (Papst Pius XII.: Enz. Mediator Dei, in: KKK, Nr. 1548). Wenn also der Priester die Sakramente spendet, ist es Christus, der Sohn Gottes selbst, der durch den Priester handelt und sich dessen Stimme und Gestik bedient. Wenn wir zum Beispiel zur hl. Beichte gehen und uns der Priester losspricht, tut er dies in der Person Jesu Christi des Hauptes, d.h. Gott bedient sich seiner Person und spricht uns von unseren Sünden los.

 

Diese Gegenwart Christi im Priester ist allerdings nicht so zu verstehen, daß dieser gegen alle menschlichen Schwächen gefeit wäre. Immer wieder haben wir vielleicht sogar kopfschüttelnd erlebt, daß Priester auch nur Menschen sind und gegen die Sünden ankämpfen müssen. Bei den Sakramenten ist uns jedenfalls die Gewähr gegeben, „daß selbst die Sündhaftigkeit des Spenders die Frucht der Gnade nicht verhindern kann“ (KKK, Nr. 1550). Die Sendung eines Priesters ist es daher vor allem ein ‚Gottmensch’ sein, wie es der heilige Paulus ausdrückt ( 1Tim 6,11).

 

Bin ich berufen?

 

Liebe Freunde! In besonderer Weise möchte ich heute jeden einzelnen von Euch ganz persönlich einladen, beim Empfang der hl. Kommunion den Herrn zu fragen, ob nicht auch Du einen besonderen Ruf des Herrn zur ungeteilten Nachfolge verspürst. Stell Dir dabei die Frage: Ruft Jesus heute mich? Ja, bin ich zum Priestertum oder zum Gott geweihten Leben berufen? Haben wir Mut diesen Ruf, den uns Jesus in unser Herz gelegt hat, dankbar anzunehmen und ihm zu folgen. Eines kann ich Dir jetzt schon versprechen: Wer dem Ruf des Herrn folgt, wird besonders von ihm beschenkt werden! Ihm ist ein Leben in Fülle verheißen. Hab‘ also keine Angst, dem Herrn alles zu geben. Wir werden es 100-fach zurückbekommen. Dafür können ich selbst und viele andere Priester Zeugnis ablegen.

 

Das Beispiel und die Fürsprache des hl. Leopold mögen uns heute und allezeit begleiten. Heiliger Leopold, bitte für uns!

 

Gelobt sei Jesus Christus. In Ewigkeit. Amen.