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Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ (Mariazell, 15. August 2009)

 

Hochwürdigster Herr Diözesanbischof!

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben!

Liebe festtägliche Gottesdienstgemeinschaft!

 

 

Gesegnet bist du, Maria, mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes (vgl. Lk 1, 42). Zu dieser hohen Frau haben wir uns gestern und heute auf den Weg gemacht - um mit ihrer Hilfe Jesus Christus, die, wie es im Ave Maria heißt, „gebenedeite Frucht ihres Leibes" zu finden.

 

Es entspricht einer guten Tradition, daß sich am Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel unter den Pilgern, die zu diesem Heiligtum strömen, immer wieder einmal auch der Apostolische Nuntius befindet. Diese gute Tradition meiner Vorgänger setze ich gerne fort, indem ich mich heute in die Schar der vielen Beter einreihe, die mannigfache persönliche und gemeinschaftliche Anliegen der Fürsprache Mariens anempfehlen. Ich bin gerne hierher gekommen, um mit Ihnen allen diesen festlichen Gottes­dienst zu feiern, um mit euch zu singen und zu beten und so Gott die Ehre zu geben. Unser Beten ehrt und verherrlicht Gott, denn im Danken und Bitten sagen wir Ihm: Du bist der Herr unseres Lebens! In diesem ersten Jahr meines Dienstes in Österreich möchte ich selbst vor allem meine Mission, die große Aufgabe, die mir der Heilige Vater übertragen hat, der Magna Mater Austriae anvertrauen. Und dabei zähle ich auf eure geistliche Hilfe!

 

Als Nuntius weiß ich, daß sich der Gnadenort Mariazell der besonderen Aufmerksamkeit der Päpste erfreut. Papst Johannes Paul II., der mich 1994 zum Bischof geweiht hat, ist im Jahr 1983 hier gewesen. Er hat vor dem Gnadenbild der von ihm und von unzähligen Menschen aus den Staaten Osteuropas hier verehrten Alma Mater Gentium Slavorum gebetet. Die Muttergottes von Mariazell verbindet die Völker; sie zeigt sich als Mutter aller, die zu ihr rufen. Dafür haben bei der großen „Wallfahrt der Völker" zum Abschluß des Mitteleuropäischen Katholikentags im Mai 2004 hier in Mariazell über 100.000 Menschen Zeugnis gegeben. Das schöne Kleid der Gnadenstatue mit den Wappenschildern der beteiligten Länder erinnert uns an diese beeindruckende Wallfahrt so vieler Menschen unter dem Motto „Christus - Hoffnung Europas".

 

Liebe Brüder und Schwestern! Wir alle wissen um die tiefe und lebendige Verbundenheit des gegenwärtigen Heiligen Vaters mit Mariazell. Weniger als ein Jahr vor seiner Wahl in das Papstamt besuchte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger im Oktober 2004 Mariazell, um bei der Wall­fahrt der europäischen Notare die hl. Messe hier in der Basilika zu feiern. Als Nachfolger Petri kehrte er am 8. September 2007 hierher zurück. Bei vielen von euch steht dieser Besuch von Papst Benedikt XVI. noch in lebendiger Erinnerung: Es war ein Fest des Glaubens und weder Regen noch Sturm konnten dem geistlichen Feuer des Tages etwas anhaben! Der ganze Papstbesuch folgte der Losung: „Auf Christus schauen!" Niemand anders als Maria hat dies in vollkommener Weise getan. Ihr ganzes Leben war ein Schauen auf Christus, dessen Mutter sie nach göttlichem Willen war.

 

Brüder und Schwestern in Christus! Vielleicht haben Sie sich darüber gewundert, daß wir heute, am Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, das Evangelium vom Besuch Marias bei Elisabeth „im Haus des Zacharías" gehört haben. Denn von der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele nach ihrer Entschlafung wird uns darin nichts berichtet.

 

Die Kirche lehrt uns, daß Maria auf Grund ihrer Erwählung zur Mutter des Erlösers und daher auf Grund ihrer einzigartigen Stellung im Heilsplan Gottes von aller Sünde bewahrt blieb und am Ende ihres Lebens mit Leib und Seele zur Herrlichkeit des Himmels erhoben wurde. Genau so formuliert es das Tagesgebet, das den authentischen Glauben der Kirche wiedergibt. Liturgie ist ja immer die Feier des Glaubens der Kirche! Die Begegnung der beiden Frauen, Maria und Elisabeth, von der das heutige Evangelium berichtet, schenkt uns aber einen tiefen Einblick in die Erwählung Marias und ihre vom Vater verliehene Sendung, Mutter des Erlösers zu sein. Vom Heiligen Geist geführt ruft Elisabeth beim Anblick Marias: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt! (Lk 1, 42f.). Später, in ihrem „Magnifikat", wird Maria gewisser­maßen selbst bestätigen, daß sie die Erkorene ist, die „voller Gnade", auf der der Segen der Gottesmutterschaft liegt: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig" (Lk, 1, 48f.).

 

Das Evangelium überliefert eine weitere „Seligpreisung" Marias durch Elisabeth: „Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ". Ich möchte diese „Seligpreisung" mit den Worten unseres Heiligen Vaters kommentieren: „Wichtig ist auch das Wort, das Elisabeth zu Maria sagt: ‘Selig ist die, die geglaubt hat.' Sie greift damit zurück auf die Anfänge des Alten Bundes, auf Abraham, den Vater des Glaubens, der Gott getraut hat und das Unmögliche wagt, aus seiner Heimat wegzugehen in ein Land, das er nicht kennt, weil Gott ihm diesen Weg gebietet und so eine neue Geschichte mit den Menschen beginnt. Diese Fackel des Glaubens, die in Abraham zu leuchten beginnt..., wird nun von Maria zu ihrer ganzen Helligkeit entzündet. Sie glaubt, und damit reißt sie den Him­mel auf. Damit öffnet sie die verschlossene Tür des Himmels, und wir sehen, daß Gott da ist und uns annimmt und sich um uns kümmert. Maria glaubt und wagt das Ungeheuerliche anzunehmen, daß Gott in ihr Leben einbrechen und sie zur Mutter seines Sohnes machen will. Sie glaubt etwas, was eigentlich jedes Menschenleben sprengt und über alle ihre Erwartungen und Lebensplanungen hinausgehen musste. Sie vertraut sich Gott an, und so öffnet sie die Türen zwischen Himmel und Erde" ( Predigt von Kardinal Ratzinger in Mariazell am 2. Oktober 2004 ).

 

Was Maria getan hat, liebe Mitchristen, ist für unseren Pilgerweg hier auf Erden bedeutsam. Unsere menschliche Sehnsucht schickt uns auf den Weg. Wenn wir unser Sehnen von Maria begleiten lassen, verirren wir uns nicht; unser Sehnen begnügt sich nicht mit Scheintröstungen. Maria hat Gott in ihrem Leben groß geschrieben. Papst Benedikt XVI. sagt in seiner ersten Enzyklika: „Herausragend unter den Heiligen ist Maria, die Mutter des Herrn, Spiegel aller Heiligkeit. Im Lukasevangelium sehen wir sie in einem Liebesdienst an ihrer Cousine Elisabeth, bei der sie „etwa drei Monate" bleibt (1, 56), um ihr in der Endphase ihrer Schwangerschaft beizustehen. Magnificat anima mea Dominum, sagt sie bei diesem Besuch - meine Seele preist die Größe des Herrn - und drückt damit das ganze Programm ihres Lebens aus: nicht sich in den Mittelpunkt stellen, sondern Raum schaffen für Gott, dem sie sowohl im Gebet, als auch im Dienst am Nächsten begegnet; nur dann wird die Welt gut. Maria ist groß, eben deshalb, weil sie nicht sich, sondern Gott groß machen will. Sie ist demütig: Sie will nichts anderes sein, als Dienerin des Herrn (vgl. Lk, 1, 38.48)" ( Deus caritas est, 41).

Liebe Christen! Auch wir müssen Gott wie Maria in unserem Leben groß schreiben und in den Mittelpunkt unseres Denkens stellen, das heißt wir müssen uns bemühen, Seinen Willen in unserem Leben zu erkennen und zu befolgen. Wer Gott groß schreibt, dessen Menschsein wächst mit! Der heilige Pater Maximilian Kolbe, dessen Gedenktag wir gestern gefeiert haben, hat einmal gesagt: „Lassen wir uns doch von Maria führen, damit wir durch sie Jesus ähnlicher werden. Das ist der sicherste und voll­kommenste Weg."

 

Unsere Größe kommt von Gott, der Maria mit einer einzigartigen Würde ausgestattet und mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen hat. Wenn wir heute und in Zukunft auf Maria, das sichere Zeichen der Hof­fnung und des Trostes schauen, dann bleiben wir auf dem Weg, der hinführt zur ewigen Herrlichkeit.

 

(Mit einem Gebet unseres Heiligen Vaters zu Maria möchte ich schließen:)

 

Heilige Maria, Mutter Gottes,

du hast der Welt

das wahre Licht geschenkt,

Jesus, deinen Sohn - Gottes Sohn.

Du hast dich ganz

dem Rufe Gottes überantwortet

und bist so zum Quell der Güte geworden,

die aus ihm strömt.

Zeige uns Jesus. Führe uns zu ihm.

Lehre uns ihn kennen und ihn lieben,

damit auch wir selbst

wahrhaft Liebende

und Quelle lebendigen Wassers

werden können

inmitten einer dürstenden Welt.

Amen.

 

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Predigt von Erzbischof Dr. Peter Zurbriggen, Apostolischer Nuntius, beim Festhochamt in der Basilika von Mariazell am 15. August 2009

Es gilt das gesprochene Wort.