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Predigt zum St. Martinsfest im Dom zu Eisenstadt (11. November 2009)

Hochwürdigster Herr Diözesanbischof!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Liebe Vorsteher und Alumnen des Priesterseminars!
Ehrwürdige Schwestern der verschiedenen geistlichen Gemeinschaften!
Liebe Vertreter der Komturei Eisenstadt des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem sowie des Großpriorates Österreich des Souveränen Malteser Ritterordens!
Verehrter Herr Landeshauptmann, Landeshauptmannstellvertreter, Mitglieder der Landesregierung, Abgeordnete zum Nationalrat und im Burgenländischen Landtag, Frau Bürgermeister der Landeshauptstadt Eisenstadt!
Werte Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Kultur, Medien und aus den Volksgruppen des Landes!
Liebe zum Festgottesdienst versammelte Brüder und Schwestern im Herrn!

I.

Das diesjährige St. Martinsfest ist zugleich der festliche Beginn des Jubiläums „50 Jahre Diözese Eisenstadt“, die der selige Papst Johannes XXIII. am 15. August 1960 mit der Bulle „Magna quae“ errichtete und das am St. Martinsfest im kommenden Jahr 2010 seinen Höhepunkt und Abschluß finden wird.

Mit der Errichtung der Diözese Eisenstadt vor 50 Jahren hat eine lange, bewegte und auch nicht immer spannungsfreie Phase der Kirchengeschichte dieses pannonischen Raumes ein Ende und zugleich einen Neubeginn erfahren. Als Folge des 1. Weltkrieges wurden die politischen Grenzen neu gezogen, was schließlich auch eine kirchliche Neuordnung zur Folge hatte. Der im Jahre 1921 von Ungarn abgetrennte Teil „Deutsch-Westungarn“ wurde zum neuen, neunten und jüngsten Bundesland Österreichs mit dem Namen „Burgenland“. Aus Teilen der Diözesen Györ/Raab und Szombathely/Steinamanger wurde die Aposto­lische Administratur Burgenland und spätere Diözese Eisenstadt errichtet.

Im Rückblick auf dieses einschneidende und geschichtsträchtige Ereignis scheint es mir angebracht, bei diesem festlichen Gottesdienst in Dankbarkeit aller zu gedenken, die zum Werden der Diözese Eisenstadt beigetragen haben, der Lebenden wie auch der Verstorbenen: des seligen Papstes Johannes XXIII., meiner Vorgänger im Amt des Apostolischen Nuntius in Österreich, der Apostolischen Administratoren des Burgenlandes und hier besonders Mons. Dr. Josef Schoiswohl, der vor genau 60 Jahren – am 11. November 1949 – von Papst Pius XII. zum Apostolischen Administrator des Burgenlandes bestellt wurde und bekanntlich später Bischof von Graz-Seckau war. Wir gedenken vor allem des ersten Burgenländers als Administrator und Diözesanbischof sowie Baumeisters der Diözese Bischof Dr. Stefan László und wir gratulieren mit einem besonderen Gebetsversprechen seinem derzeitigen Nachfolger Bischof Dr. Paul Iby, der heute als guter Hirte die junge Diözese Eisenstadt leitet.

Vergessen wollen wir auch nicht die Priester, Diakone, Ordensleute, Mitarbeiter und Gläubigen, die zum Werden der Diözese beigetragen haben und die auch heute mit ihrem Gebet und Charisma das kirchliche Leben befruchten und wesentlich mittragen – ihnen allen ein großes Vergelt´s Gott!

II.

Das neue Bundesland Burgenland und die neue Apostolische Administratur Burgenland und spätere Diözese Eisenstadt haben sich den hl. Martin von Tours zum Landes- und Diözesanpatron erwählt.

Auf Martinus, Euren Landes- und Diözesanpatron, diesen echten Pannonier und Europäer, der an einer Zeitenwende als Soldat, Mönch und Bischof lebte, möchte ich nun unseren Blick lenken, um von ihm zu lernen. Es sind vor allem drei Haltungen, die Martinus auszeichneten und die für uns heutige Christen und Menschen in Europa Vorbild und zugleich Herausforderung sind.

1. Der Christ und noch mehr der Seelsorger von heute muß zuerst ein durch und durch geistlicher Mensch sein.

Ein geistlicher Mensch ist ein Mensch, der selbst ein Tempel Gottes ist, in dem der Geist Gottes wohnt und der deshalb in seinem Leben auf die Kraft des Hl. Geistes vertraut und sich ganz auf sein Wirken verlässt. Ein geistlicher Mensch ist einer, der nicht allein auf das Sichtbare und Machbare, auf das Planbare und Leistbare schaut, sondern der vielmehr auf das unverfügbare Wirken des Hl. Geistes baut, daraus lebt und ihm Raum schafft. Geistliches Leben wird nirgendwo so konkret und anschaubar wie im Gebet und Gottesdienst. Hier wird erfahrbar, daß im christlichen und kirchlichen Leben das Entscheidende von Gott her geschieht – aber natürlich nicht so verstanden, daß wir dabei nichts tun sollen. Geistliches Leben ist von dieser Grundspannung zwischen gläubiger Gelassenheit im Vertrauen auf den Geist Gottes und persönlichem Engagement in der Nachfolge Jesu geprägt. Solche leidenschaftliche Gelassenheit und gelassene Leidenschaft ist jene Grundhaltung, die den Christen und Seelsorger von heute auszeichnen muss. Denn Christsein und Priestersein ohne langen Atem führt entweder in rast-lose Kurzatmigkeit oder in die Frustration und Resignation. Diesen langen Atem können wir nur vom Hl. Geist empfangen und im Gebet erbitten!

Martinus war solch ein durch und durch geistlicher Mensch mit einem langen Atem und einer unbeirrbaren Standhaftigkeit! Die Biographien Eures Diözesan­patrons betonen, daß er ein Mann der Stille, der Kontemplation und des Gebetes war. Dadurch erkannte er den Ruf Gottes und konnte ihm auch entschlossen folgen.

2. Der Christ und noch mehr der Seelsorger von heute muß aber auch ein weltoffener Mensch sein.

Weltoffenheit, liebe Brüder und Schwestern, das heißt, die Zeichen der Zeit sensibel wahrnehmen. Dies gehört zu den großen Aufgaben, die das II. Vati­kanische Konzil jedem einzelnen Christen und der ganzen Kirche zutraut und aufträgt. Ja, Jesus selbst mutet uns seinen Jüngern zu, in unseren Tagen auf die Zeichen der Zeit zu achten und in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes wahrzunehmen. Dies darf aber nicht als billige Anpassung an die Logik der heutigen Welt missverstanden werden. Notwendig ist heute eine Vertiefung der Botschaft des Evangeliums, die Konzentration auf Gott und das Setzen von neuen missionarischen Initiativen – genau das ist es, was Kirche und Welt von heute so dringend brauchen. Als weltoffene Menschen erweisen sich Christen und Seelsorger darin, daß sie es vermögen und sich nicht scheuen, Gott in der heutigen Welt zu verkündigen. Dazu braucht es geistliche Menschen, dazu braucht es zugleich Seelsorger mit geistig-kultureller Bildung!

Martinus war als Soldat ein solch durch und durch weltoffener und geistlicher Mensch mit guter Bildung, der die Zeichen der Zeit erkannte, für das Wirken des Geistes Gottes offen war und so in der konkreten Tat – wer von uns kennt nicht die bewegende Geschichte vom Teilen des Mantels mit dem Bettler? – Großes und Bleibendes in Kirche und Welt wirken konnte.

3. Der Christ und noch mehr der Seelsorger von heute muss ein entschieden kirchlicher Mensch sein.

Liebe Christen! Geistlichkeit und Weltlichkeit treffen sich in der Kirchlichkeit. Als geistlicher und zugleich weltoffener Mensch kann man nicht Einzelkämpfer sein; unser christliches und apostolisches Wirken vollzieht sich in der Gemein­schaft der Kirche, in der wir Gläubigen einander Stütze und Hilfe sind: im treuen Gebet, in der demütigen Mitarbeit, in großmütiger Bereitschaft zum Mittragen und in Werken der Liebe. Das Apostolat der Kirche, ihr Wirken in der Welt trägt ohne wahre Kirchlichkeit keine Früchte. Kirchlichkeit bedeutet dabei auch, sich von der Gemeinschaft der Weltkirche und ihrem unbeirrbaren Glauben mittragen zu lassen. Ein glaubensfroher Christ weiß: die Vorgabe der Zugehörigkeit zur großen Gemeinschaft der universalen Kirche ist das schönste Geschenk in meinem Leben! Kirchlichkeit heißt darum für uns katholische Christen immer auch: leben in Gemeinschaft mit und unter der Führung des Nachfolgers Petri, der heute Papst Benedikt heißt!

Der heilige Martin war als Mönch und Bischof ein durch und durch kirchlicher Mensch, der mit all seinen Kräften seiner Ortskirche und der Weltkirche diente! Als Vermittler und Friedensbote unter den Gläubigen und Geistlichen in einer seiner Pfarreien ist Bischof Martin verstorben. Sein Zeugnis verpflichtet zuerst die Hirten der Kirche, das Band der Einheit untereinander und mit dem Nachfolger Petri zu wahren! In solcher Treue zeigt sich das entscheidende Profil von wahren Christen, die sich für den kirchlichen Dienst zur Verfügung stellen.

III.

Als Apostolischer Nuntius in Österreich entbiete ich der Diözese Eisenstadt zu ihrem 50-jährigen Bestandsjubiläum schon jetzt von Herzen die besten Glück- und Segenswünsche!

Mit dem Diener Gottes Papst Johannes Paul II., der das Burgenland im Jahr 1988 besuchte, rufe ich euch zu: „Liebe Christen der Diözese Eisenstadt! Im Geist des hl. Martin überschreitet ihr auch die Grenzen eurer Heimatdiözese. Diese ist sich mit ihrem Bischof der Brückenfunktion bewusst, die ihr gerade zu den Völkern Osteuropas hin habt. Ihr seid bereit, mit ihnen Kontakte zu pflegen und auch mit ihnen zu teilen, materiell und geistig … Ich ermutige euch, im Geist eures Diözesanpatrons, des heiligen Martin, beispielhaft weiterzuwirken.“

In diesem „Jahr des Priesters“, das unser Heiliger Vater Papst Benedikt XVI. ausgerufen hat, wünsche ich der jubilierenden Diözese Eisenstadt auf ihrem Weg in der Gegenwart und für die Zukunft Hirten, Seelsorger und Christen nach dem Vorbild des hl. Martin, die durch und durch geistliche, weltoffene und kirchliche Menschen sind!

So empfehle ich alle Menschen in Eurer schönen und durch die Präsenz der Volksgruppen kulturell bereicherten Heimat dem besonderen Schutz und der Fürsprache des heiligen Martin, indem ich in den Sprachen des Landes und der Kirche bete:

Heiliger Martin, bitte für uns!

Sveti Martin, moli za nas!

Szént Márton, könyörög j éretünk!

,,Sancte Martine, ora pro nobis! Amen.

HOMILIE des Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Peter Zurbriggen zum ST. MARTINSFEST im Dom zu Eisenstadt, Mittwoch, 11. November 2009

 

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