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Festgottesdienst in der Stiftskirche der Erzabtei St. Peter (1. Dezember 2009)


( Lesung: Jes 11, 1-10; Evangelium: Lk 10, 21-24)

Hochwürdigster, lieber Herr Erzbischof!
Hochwürdigster Herr Weihbischof!
Hochwürdige und Ehrwürdige Mönche des Stiftes St. Peter!
Liebe Kanoniker im Salzburger Dom- und Metropolitankapitel!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Liebe Ordensleute!
Sehr geehrte Vertreter und Mitglieder des Souveränen Malteser-Ritterordens sowie des Päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem!
Geschätzte Vertreter und Mitglieder der katholischen akademischen Korporationen im Cartellverband (ÖCV) und im MKV!
Meine lieben Mitchristen, Brüder und Schwestern im Herrn!

Den Kranz der Gerechtigkeit wird der gerechte Richter all denen geben, die in Liebe auf sein Erscheinen warten (Kommunionvers, Dienstag 1. Woche im Advent).

Mit diesem Vers aus der heutigen Liturgie stimmt uns die Kirche auf den Advent ein: Ich freue mich, daß ich zu Beginn dieser mit adventlicher Hoffnung erfüllten Zeit mit Ihnen allen diesen festlichen Gottesdienst hier in Salzburg feiern kann. Ich bin gerne hierher gekommen, in diese Stadt, in der das Evangelium der Hoffnung und der Liebe seit vielen Jahrhunderten „zu Hause" ist und auch heute die Herzen der Menschen erleuchtet. Der Herr selbst, der uns am Fest seiner Menschwerdung, auf die wir uns in diesen Wochen vorbereiten, die Nähe Gottes offenbart, schenkt uns den „Geist der Weisheit und der Einsicht, den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht", von dem in der Lesung aus dem Buch Jesaja die Rede war.

Durch Gottes Gnade sind wir „Kinder Gottes", Söhne und Töchter des Vaters, der uns zur Teilhabe an Seinem Reich beruft. Die Frohe Botschaft vom Reich Gottes wurde den meisten von uns schon seit unseren Kindertagen verkündigt. Als Christen, die die Botschaft angenommen haben, stellen wir uns froh in den Dienst dieses Evangeliums, denn wir durften gewissermaßen „hören und se­hen"; auch für uns gilt das Wort Jesu an seine Jünger: „Selig sind die, deren Augen sehen, was ihr seht" (Lk 10, 23). Die Verse, die dem heute vorge­tragenen Evangelium (Lk 10,21-24) unmittelbar vorausgehen, berichten, daß die 72 Jünger ihren apostolischen Auftrag erfüllten und „voll Freude" wieder zu Jesus zurückkehren. Im Mittelpunkt ihres Berichtes steht die Erzählung, daß ihnen selbst die Dämonen - und diese stehen für die Feinde der Gottesherrschaft - nichts anhaben konnten, wenn sie ihnen im Namen Jesu entgegentraten. Ihnen, die allen Gefahren und Anfeindungen trotzten, ruft Jesus zu: „ Freut euch, daß eure Namen im Himmel eingeschrieben sind" (Lk 10, 20). Und Jesus betet darauf das große Dankgebet, das wir soeben als Frohbotschaft gehört haben: „Ich preise dich, Herr des Himmels und der Erde..." (Lk 10, 21). Es ist eine besondere Führung im Wirken und Leben Jesu, daß er seine Jünger unter den „Unmündigen" findet, während diejenigen, die die Schriften kennen und verstehen sollten, sich verschließen und sich nicht von Jesus rufen lassen. Anders bei Ihnen, liebe Mitchristen: Sie alle sind engagiert in Ihren Pfarren, in verschiedenen geistlichen Gemeinschaften, in den Ritterorden oder in unseren katholischen Korporationen, oder Sie tragen - was ebenso wichtig ist - einfach und wirksam das Apostolat der Kirche in Ihrem persönlichen Gebet und Opfer mit! Jeder und jede von uns folgt dem Ruf Gottes in ganz persönlicher Weise, unter dem Einsatz der Gaben und Talente, die uns der Herr selbst schenkt. Und damit wirken wir mit am Aufbau des Reiches Gottes.

Wenn wir hier im Stift St. Peter heute Gottesdienst feiern, so befinden wir uns am Ursprung der Kirche Salzburgs. Der heilige Rupertus war zugleich der erste Bischof von Salzburg und der erste Abt von St. Peter. In den mehr als 1.300 Jahren, die seither vergangen sind, war und ist Salzburg immer ein Zentrum der Christenheit, das weit ausstrahlt. Denken wir an die Missionare, die von hier in das östliche und südliche Europa aufbrachen, und an die Salzburger Männer und Frauen in verschiedenen Ordensgemeinschaften, die bis heute das Evangelium in Lateinamerika, in Afrika und Asien in Wort und Tat verkünden. Salzburg war ja auch eine der ersten Diözesen, die eine Partnerschaft mit jungen Diözesen in aller Welt eingegangen ist. Auch hier zu Lande war die Kirche Salzburgs in der Verkündigung des Evangeliums immer wieder ein Vorbild. Als eine der ersten Diözesen hat sie nach dem II. Vatikanischen Konzil dessen Wegweisungen in einer Diözesansynode aufgriffen; sie ermutigt die Laien, sich in den Pfarr­gemeinden als mitverantwortliche Christen zu engagieren und das sakramentale Leben zu vertiefen, um Christus glaubhaft zu verkündigen. Denn die lebendige Christus-Beziehung all derer, die sich Christen nennen, ist der Grund und die Voraussetzung für geistlich lebendige Gemeinden, in denen der Glaube der Kirche in seiner ganzen Fülle und Schönheit gefeiert, gelebt und weitergegeben wird.

Die Bischöfe und Erzbischöfe Salzburgs stehen in der Tradition der Apostel. Nicht ohne Grund zeigt die Fassade des Salzburger Domes die Gründerbischöfe Rupert und Virgil neben den Apostelfürsten Petrus und Paulus. Seit dem 20 Jahrhundert werden im kirchlichen Sprachgebrauch nicht nur mehr die Bischöfe als Apostel bezeichnet. Es ist den Päpsten Pius XI. und Pius XII. zu verdanken, daß sie mit dem Begriff „Apostolat" auch die Sendung eines jeden katholischen Christen bezeichnen, die darin besteht, durch persönliches Zeugnis für den Glauben und mit individuell oder sozial geübter Nächstenliebe dem Kommen des Reiches Gottes den Weg zu bereiten. Daher müssen fast alle Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens als echte Bewährungsfelder des Apostolates gesehen werden: vom Apostolat des stillen Gebets über das Apostolat in der Familie, im Wohnviertel, in der Arbeit und in Organisationen, bis hin zum Medienapostolat. Jesus Christus muß und will überall verkündigt werden - mit Kraft und Klugheit, mit Liebe und Langmut, mit Freude am Glauben und mit der Faszination für die Frohe Botschaft der Hoffnung.

Liebe Mitchristen! Wo liegen heute die Felder, die unser Apostolat dringend brauchen? Ohne Zweifel ist „Apostolat" in unserer Zeit der Schlüsselbegriff für die Verbreitung des Evangeliums Jesu Christi in einer säkularisierten Welt. Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., den ich hier in Österreich vertreten darf, ermutigt uns immer wieder, angesichts „eines kulturellen Umfeldes, das Gott aus dem menschlichen und gesellschaftlichen Bereich ausgrenzen will oder ihn als Hindernis beim Erlangen des eigenen Glücks betrachtet, unsere missiona­rischen Bemühungen zu verstärken, Christus in den Mittelpunkt des pastoralen Wirkens zu stellen und so allen Menschen die Schönheit und Wahrheit seines Lebens und seiner Heilsbotschaft zu vermitteln" (Ansprache von Papst Benedikt XVI. an die Bischöfe aus Paraguay anläßlich ihres „Ad limina"- Besuches am 11. September 2008).

Damit die christliche Botschaft überall hingelangen und Fuß fassen kann, sind das Zeugnis und die Arbeit der Laien unverzichtbar. Kraft ihrer Taufe und Firmung sind Sie alle, liebe Brüder und Schwestern, Mitträger der Sendung der Kirche. Ihre Berufung besteht darin, die weltliche Ordnung mit dem Geist des Evangeliums zu durchdringen und so die Mitmenschen für den Anruf Gottes zu öffnen. Für den Aufbau des Reiches Gottes braucht es unser im sakramentalen Leben der Kirche gereiftes und gefestigtes Zeugnis! Laien sind daher einerseits unersetzliche Mitarbeiter der geweihten Amtsträger; sie sind aber nicht nur Mitarbeiter des Klerus, sondern wirkliche Mitverantwortliche des Seins und Handelns in der Kirche. Das II. Vatikanische Konzil hat im Dekret „Aposto­licam actuositatem" (vom 18. November 1965) betont: „Pflicht und Recht zum Apostolat haben die Laien kraft ihrer Vereinigung mit Christus, dem Haupt" (AA 3). Indem sie „am priesterlichen, prophetischen und königlichen Amt Christi teilhaben, verwirklichen sie in Kirche und Welt ihren eigenen Anteil an der Sendung des ganzen Volkes Gottes" (AA 2).

Ein nicht unwesentlicher Aspekt des Laienapostolats ist der Dienst an der Gesellschaft durch politisches Engagement, indem die soziale  Nächstenliebe mit Verantwortung und Hingabe gelebt wird. Hierzu gehört die Verteidigung der durch das Evangelium und durch den Glauben der Kirche vermittelten Werte, der Einsatz für den Schutz und die Würde des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, die notwendige Überzeugungsarbeit für den Schutz von Ehe und Familie, für eine moralisch gesunde Gesellschaft, in der die Würde aller geachtet wird.

Liebe Brüder und Schwestern! Die Kirche ist, theologisch gesprochen, das „pilgernde Gottesvolk" und gleichzeitig der „mystische Leib Christi". Sie ist eine weltweite Gemeinschaft von Menschen, die durch das Wirken des Heiligen Geistes das Volk Gottes bildet, das gleichzeitig der Leib Christi ist. Im Volk Gottes hat Christus die alten Mauern zwischen Völkern, Rassen und Kulturen niedergerissen; in Christus sind wir alle „ein Volk", ja „sein heiliges Volk". Während der Begriff „Volk Gottes" die Kontinuität der Geschichte der Kirche ausdrückt, bringt der „Leib Christi" die Universalität der Kirche zum Ausdruck, die im Kreuz und in der Auferstehung des Herrn ihren Anfang nahm.

Wir dürfen stolz sein, der Gemeinschaft der Universalen Kirche anzugehören, die als pilgerndes Gottesvolk ihren Weg durch Zeit geht und durch Christus, ihr Haupt, geeint ist. Die Kirche von Salzburg ist lebendig und ihr Apostolat ist wirksam, wenn sie immer treu auf Christus schaut und ihre Glieder so zum „Salz der Erde" im Sinn des Evangeliums werden. Die gelebte Einheit mit der Weltkirche ist dabei ganz wichtig.

In diesen Wochen der Adventszeit bereiten wir uns auf die Ankunft des Erlösers an Weihnachten vor. Dies ist eine Zeit der Besinnung auch für unser Apostolat. Als Vertreter des Heiligen Vaters in Österreich darf ich Ihnen den Gruß und Segen von Papst Benedikt XVI. überbringen, der Salzburg gut kennt und in früheren Jahren immer gern hierher gekommen ist. In seinem Namen möchte ich Sie alle ermutigen: Lassen wir uns bei unserem Apostolat, bei all unserem Tun in der Kirche und in der Gesellschaft von der unerschöpflichen Liebe Gottes leiten, die der Grund der Menschwerdung des Göttlichen Wortes ist. Amen.


Erster Offizieller Besuch des Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Peter Stephan Zurbriggen in der Erzdiözese Salzburg (1. Dezember 2009)
Es gilt das gesprochene Wort!

 
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