Predigt
zum
Hochfest
der
ohne
Erbsünde
empfangenen
Jungfrau
und
Gottesmutter
Maria
(8.
Dezember
2010,
Stephansdom
Wien)
Â
Hochwürdiger
Herr
Dompropst!
Hochwürdige
Mitglieder
des
Wiener
Domkapitels!
Liebe
Mitbrüder
im
priesterlichen
und
diakonalen
Dienst!
Liebe
Ordenschristen!
Meine
Brüder
und
Schwestern
im
Herrn!
Es
ist
für
mich
eine
ganz
große
Freude,
diese
feierliche
hl.
Messe
zum
Fest
„Mariä
Empfängnis"
-
wie
der
heutige
Tag
im
Volksmund
liebevoll
genannt
wird
-
hier
im
Stephansdom,
dem
geistlichen
Herzen
unserer
Stadt,
mit
Ihnen
allen
zu
feiern
und
Ihnen
die
adventlichen
Grüße
des
Heiligen
Vaters,
Papst
Benedikt
XVI.
zu
übermitteln.
Der
Stephansdom,
der
so
viele
bedeutende
und
prächtige
Bilder
der
Gottesmutter
zählt,
zeugt
von
der
tiefen
Verehrung,
die
die
Wiener
und
Wienerinnen
der
Jungfrau
Maria
bis
heute
entgegenbringen.
Gerade
für
Österreich
-
und
speziell
für
Wien
-
ist
das
Fest
der
„Unbefleckten
Empfängnis"
von
größter
Bedeutung,
wie
ein
Blick
in
die
Geschichte
erkennen
läßt.
Die
Bedeutung
des
Festes
für
Österreich
und
insbesondere
für
die
Stadt
Wien
Durch
die
Jesuiten
angeregt,
legte
Kaiser
Ferdinand
III.
1645
die
berühmten
Immaculata-Gelübde
ab.
Als
damals
in
den
Jahren
des
Dreißigjährigen
Krieges
die
Eroberung
Wiens
durch
das
schwedische
Heer
befürchtet
werden
mußte,
gelobte
der
Kaiser,
das
Fest
„Mariä
Empfängnis"
in
seinen
Territorien
einzuführen
und
auf
einem
öffentlichen
Platz
in
dieser
Stadt
eine
bedeutende
Mariensäule
zu
errichten.
Bereits
am
18.
Mai
1647
wurde
Maria
zur
Schutzfrau
Österreichs
erhoben,
und
Ferdinand
III.
gelobte,
daß
in
seinen
Ländern
das
Fest
der
Unbefleckten
Empfängnis
öffentlich
als
Feiertag
zu
begehen
sei.
Die
Errichtung
der
Mariensäule
auf
dem
Platz
Am
Hof,
die
Bekrönung
des
Hochaltars
des
Stephansdomes
mit
der
Darstellung
der
Himmelskönigin
sowie
die
Immaculata-Prozession
sind
Zeugnisse
für
die
rege
Verehrung,
die
der
„Magna
Mater
Austriae"
gerade
in
Wien
entgegengebracht
wird.
Auf
Wunsch
der
Gläubigen
und
Bischöfe
aus
aller
Welt
hat
der
selige
Papst
Pius
IX.
am
8.
Dezember
1854
diese
wichtige
Glaubenswahrheit
als
verbindliches
Dogma
definiert:
„
Durch
ein
einzigartiges
Gnadenprivileg
des
allmächtigen
Gottes
im
Hinblick
auf
die
Verdienste
Christi
Jesu,
des
Erlösers
des
Menschengeschlechtes,
ist
Maria
von
jedem
Makel
der
Erbsünde
unversehrt
bewahrt
worden"
(Pius
IX.,
Apostolisches
Schreiben
Ineffabilis
Deus,
verkündet
am
8.
Dezember
1854).
Dank
einer
Unterschriftenaktion,
an
der
sich
über
1.500.000
Österreicher
beteiligt
hatten,
konnte
im
marianischen
Jahr
1954
„Mariä
Empfängnis"
als
öffentlicher
Feiertag
in
Österreich
wieder
eingeführt
werden.
Schon
ein
Jahr
danach,
ein
Jahr
nach
der
hundertjährigen
Wiederkehr
der
feierlichen
Dogmatisierung
der
Unbefleckten
Empfängnis
(1955),
hat
Österreich
seinen
lang
ersehnten
Staatsvertrag
und
damit
die
Befreiung
von
der
sowjetischen
Vormacht
erhalten.
Ohne
Erbsünde
empfangen
-
die
neue
Eva
„Mariä
Empfängnis"
wird
oft
mit
dem
Hochfest
Mariä
Verkündigung
verwechselt,
das
natürlich
neun
Monate
vor
Weihnachten
(am
25.
März)
feierlich
begangen
wird.
Heute
freut
sich
die
Kirche,
daß
Maria
von
ihrer
Mutter
Anna
ohne
den
Makel
der
Erbschuld
empfangen
wurde.
Maria
hat
nicht
nur
ihr
ganzes
Leben
lang
keinerlei
Sünde
begangen,
sondern
wurde
sogar
vor
jenem
uns
Menschen
gemeinsamem
Erbe
bewahrt,
das
wir
„Erbsünde"
nennen.
Denn
Gott
hatte
sie
auserkoren
die
Mutter
des
Erlösers
zu
sein.
Dies
wurde
im
Dogma
der
„Unbefleckten
Empfängnis"
zusammengefaßt.
Im
heutigen
Evangelium
haben
wir
die
Worte,
die
der
Engel
an
die
Jungfrau
Maria
richtete,
gehört:
„
Sei
gegrüßt,
du
Begnadete,
der
Herr
ist
mit
dir
"
(
Lk
1,28).
„
Begnadete
",
das
ist
der
Name,
den
Gott
selbst
ihr
gegeben
hat,
um
zu
zeigen,
daß
sie
seit
jeher
und
für
immer
auserwählt
ist,
den
Sohn
Gottes
aufzunehmen.
Sie
ist
die
neue
Eva,
die
Braut
des
neuen
Adam,
die
dazu
bestimmt
ist,
Mutter
aller
Erlösten
zu
sein.
Gott
hat
Maria
dieses
hohe
Gnadenprivileg
nicht
nur
geschenkt,
damit
sie
sich
daran
erfreue,
sondern
zusammen
mit
der
Gnade
war
auch
der
wichtige
Auftrag
verbunden,
dem
Maß
der
Gnade
zu
entsprechen.
Maria
hat
dies
immer
getan.
Überlegen
wir,
was
es
heißt,
wenn
ein
Mensch
in
vollkommener
Weise
der
Gnade,
die
ihm
zuteil
wird,
entspricht.
Wie
heilig
würde
ein
Tag
in
unserem
Leben
wohl
sein,
an
dem
wir
sagen
könnten:
Ich
habe
der
Gnade,
die
Gott
mir
gegeben
hat,
vollkommen
entsprochen.
Bei
Maria
gab
es
keinen
Tag,
an
dem
sie
nicht
die
Liebe
und
die
Tugenden
vollkommen
geübt
hätte.
Das
Zweite
Vatikanische
Konzil
verdeutlicht
dies
in
der
dogmatischen
Konstitution
über
die
Kirche:
„
Daher
richten
sie
[die
Christgläubigen,
Anm.
d.
A.N.]
ihre
Augen
auf
Maria,
die
der
ganzen
Gemeinschaft
der
Auserwählten
als
Urbild
der
Tugenden
voranleuchtet
"
(II.
Vatikanisches
Konzil,
Lumen
Gentium,
65).
45
Jahre
Ende
des
II.
Vatikanischen
Konzils
(1962-1965)
Heute
gehen
meine
Gedanken
auch
zu
einem
anderen
Datum,
das
mit
dem
Hochfest
verbunden
ist,
zum
8.
Dezember
des
Jahres
1965.
Vor
genau
45
Jahren
beendete
der
Diener
Gottes
Papst
Paul
VI.
feierlich
dieses
große
kirchliche
Ereignis
des
20.
Jahrhunderts.
Unter
dem
Jubel
von
vielen
Gläubigen
auf
dem
Petersplatz
in
Rom
-
ich
durfte
als
junger
Priesterstudent
des
Collegium
Germanicum
et
Hungaricum
bei
diesem
wichtigen
Moment
des
kirchlichen
Lebens
dabei
sein
-
vertraute
der
Heilige
Vater
die
Umsetzung
der
Dokumente
des
letzten
Konzils
der
Jungfrau
Maria
an,
die
er
mit
dem
schönen
Titel
„
Mutter
der
Kirche
"
anrief.
(
cfr.
Benedikt
XVI.,
Ansprache
vor
dem
Angelus,
8.
Dezember
2005).
Die
schon
zitierte
dogmatische
Konstitution
dieses
Konzils
enthält
ein
eigenes
marianisches
Kapitel
mit
dem
Titel
„
Die
selige
jungfräuliche
Gottesmutter
Maria
im
Geheimnis
Christi
und
der
Kirche
"
(Kapitel
VIII).
Obwohl
dieses
letzte
Konzil
nicht
die
Absicht
hatte,
„
eine
vollständige
Lehre
über
Maria
vorzulegen
"
(II.
Vatikanisches
Konzil,
Lumen
Gentium,
54),
finden
sich
auch
dort
in
verschiedenen
Abschnitten
wichtige
Aussagen
über
die
ohne
Erbsünde
empfangene
Jungfrau
und
Gottesmutter
Maria:
Die
Konzilsväter
preisen
Maria
als
„
von
jeder
Sündenmakel
frei,
gewissermaßen
vom
Heiligen
Geist
gebildet
und
zu
einer
neuen
Kreatur
gemacht.
"
Daß
Maria
„vom
ersten
Augenblick
ihrer
Empfängnis
an
im
Glanz
einer
einzigartigen
Heiligkeit"
erstrahlt,
kommt
ihr
nur
um
Christi
Willen
zu.
Sie
wurde
im
„Hinblick
auf
die
Verdienste
ihres
Sohnes
auf
erhabenere
Weise
erlöst"
(II.
Vatikanisches
Konzil,
Lumen
Gentium,
56
und
53).
Liebe
Mitchristen!
Gott
hat
uns
Maria
geschenkt,
damit
wir
auf
sie
hinblicken
können
als
auf
unser
Vorbild,
damit
wir
an
der
Entfaltung
ihres
Gnadenlebens
sehen
können,
wie
Gott
seine
Geschöpfe,
wie
Er
auch
mich
beruft
und
zur
Vollendung
führen
will.
„Ecce
ancilla";
ich
bin
die
Magd
des
Herrn
(Lk
1,38
)
In
seinem
kürzlich
erschienen
Nachsynodalen
Apostolischen
Schreiben
Verbum
Domini
über
das
Wort
Gottes
im
Leben
und
in
der
Sendung
der
Kirche
stellt
uns
der
Heilige
Vater
Papst
Benedikt
XVI.
Maria
als
Mater
Verbi
et
Mater
laetitiae
vor:
Die
„innige
Beziehung
zwischen
dem
Wort
Gottes
und
der
Freude
wird
gerade
bei
der
Mutter
Gottes
ganz
deutlich.
Erinnern
wir
uns
an
die
Worte
der
hl.
Elisabeth:
‚Selig
ist
die,
die
geglaubt
hat,
daß
sich
erfüllt,
was
der
Herr
ihr
sagen
ließ'
(Lk
1,45).
Maria
ist
selig,
weil
sie
Glauben
besitzt,
weil
sie
geglaubt
und
in
diesem
Glauben
das
Wort
Gottes
in
ihrem
Schoß
aufgenommen
hat,
um
es
der
Welt
zu
schenken.
Die
von
dem
Wort
empfangene
Freude
kann
sich
jetzt
ausbreiten
auf
alle,
die
sich
im
Glauben
durch
das
Wort
Gottes
verwandeln
lassen."
(Papst
Benedikt
XVI.,
Nachsynodales
Apostolisches
Schreiben
Verbum
Domini,
124).
Maria
hat
nicht
nur
geglaubt
sie
hat
zum
Werk
der
Erlösung
ihr
Jawort
gegeben.
„Ecce
ancilla;
ich
bin
die
Magd
des
Herrn,
mir
geschehe,
wie
du
es
gesagt
hast"
(
Lk
1,38).
Diese
Antwort
Mariens,
der
Schlußvers
des
heutigen
Evangeliums,
war
nicht
nur
ein
Wort
voll
des
Glaubens
und
der
Demut,
es
war
zugleich
auch
ein
königliches
Wort:
Fiat!
(Es
geschehe!)
Ein
Wort,
das
die
für
die
Welt
wichtigste
Frage
entschied.
Von
diesem
Sinn
hing
die
Erlösung
der
Welt
ab,
weil
Gott
die
Welt
nicht
ohne
dieses
Wort
erlösen
wollte.
Liebe
Brüder
und
Schwestern
im
Herrn!
Tun
wir
es
der
Jungfrau
und
Gottesmutter
Maria,
der
großen
adventlichen
Frau,
gleich:
Hören
und
schauen
wir
auf
das,
was
Gott
mit
unserem
Leben
vorhat.
Lassen
wir
Seinen
heiligen
Willen
geschehen!
Die
allzeit
mächtige
Fürsprache
der
großen
Schutzfrau
Österreichs,
der
wir
uns
hier
täglich
anvertrauen
dürfen,
helfe
uns,
Christus
immer
treuer
nachzufolgen.
Wenn
wir
diese
Adventzeit
ganz
bewußt
mit
den
Sakramenten
der
Eucharistie
und
der
Versöhnung
leben,
kann
dies
gewiß
ein
erster
wichtiger
Schritt
auf
dieses
Ziel
hin
sein.
O
Maria,
ohne
Sünde
empfangen,
bitte
für
uns,
die
wir
zu
dir
unsere
Zuflucht
nehmen.
Amen.
Es
gilt
das
gesprochene
Wort!
Hl.
Messe
am
Hochfest
der
ohne
Erbsünde
empfangenen
Jungfrau
und
Gottesmutter
Maria
im
hohen
Dom
zu
St.
Stephan
(Wien
I.)
Predigt
des
Apostolischen
Nuntius
Erzbischof
Dr.
Peter
Stephan
ZURBRIGGEN
Stephansdom;
8.
Dezember
2010
(
1.
L.:
Gen
3,9-15.20;
2.
L.:
Eph
1,3-6.11-12;
Ev.:
Lk
1,26-38)
URL: