Predigt
am
Hochfest
des
heiligen
Leopold
in
der
Stiftsbasilika
Klosterneuburg
(15.
November
2010)
Hochwürdigster
Herr
Abtprimas
Propst
Bernhard!
Liebe
Augustiner-Chorherren!
Sehr
geehrter,
lieber
Herr
Landeshauptmann!
Sehr
geehrte
Vertreter
der
Landes-
und
Stadtregierung!
Verehrte
Mitbrüder
im
priesterlichen
und
diakonalen
Dienst!
Liebe
Ordenschristen!
Brüder
und
Schwestern
im
Herrn!
Erstmals
als
Apostolischer
Nuntius
in
Österreich
das
Leopoldifest
im
Stift
Klosterneuburg
zelebrieren
und
mitfeiern
zu
können,
ist
für
mich
eine
große
Freude,
die
ich
mit
Ihnen
allen
hier
in
festlicher
Versammlung
teile!
Sehr
gerne
komme
ich
heute
in
das
im
Jahr
1114
von
Markgraf
Leopold
III.
aus
dem
Hause
der
Babenberger
gegründete
Stift,
um
Ihnen
zuallererst
die
Grüße
des
Heiligen
Vaters
zu
überbringen,
der
Österreich
kennt
und
liebt,
das
Land
und
die
Menschen,
die
sich
damals
wie
heute
von
der
Frohen
Botschaft
der
Erlösung
-
dem
Evangelium
Jesu
Christi
-
inspirieren
und
leiten
lassen.
Die
mächtigen
Mauern
des
Stiftes
sind
in
gewisser
Weise
„
steinerne
Zeugen
"
für
die
profunde
christliche
Kultur
dieses
Landes
und
für
die
auch
heute
von
ihr
ausgehende
Strahlkraft.
Wer
zu
Gott
geht,
geht
nicht
weg
von
den
Menschen!
Leopoldus
orientalis
marchio,
vir
christianissmus
ac
clericorum
et
pauperum
pater
(
Leopold,
der
„östliche
Markgraf",
ein
überaus
christlicher
Mann
und
Vater
der
Geistlichen
und
Armen;
K.
Brunner:
Leopold,
der
Heilige...,
Wien
2009,
206):
so
bezeichnete
Leopolds
Sohn,
der
selige
Otto
von
Freising
-
ein
Vorgänger
von
Papst
Benedikt
XVI.
auf
dem
Bischofsstuhl
von
Freising
-
seinen
Vater
in
einem
Nachruf.
Leopold
III.,
der
vir
christianissimus,
wurde
bereits
nach
seinem
Tod
vom
gläubigen
Volk
als
Heiliger
verehrt.
Dies
verwundert
nicht,
wenn
man
die
große
Liebe
des
pater
pauperum
für
die
Armen
und
Kranken
betrachtet.
In
seiner
Enzyklika
Deus
Caritas
est
ermutigt
uns
der
Heilige
Vater
Papst
Benedikt
XVI.,
unser
Herz
weit
für
den
Nächsten
zu
öffnen:
„Die
in
der
Gottesliebe
verankerte
Nächstenliebe
ist
...
ein
Auftrag
an
jeden
einzelnen
Gläubigen."
(
Deus
Caritas
est,
20).
Denn
im
Geringsten
im
Sinne
des
Evangeliums
begegnen
wir
Jesus
Christus
selbst,
und
in
Jesus
Christus
begegnen
wir
Gott.
Deshalb
lehrt
der
Heilige
Vater
an
einer
anderen
Stelle
in
seiner
Antrittsenzyklika
Deus
Caritas
est:
„
Wenn
die
Berührung
mit
Gott
in
meinem
Leben
ganz
fehlt,
dann
kann
ich
im
anderen
immer
nur
den
anderen
sehen
und
kann
das
göttliche
Bild
in
ihm
nicht
erkennen.
[...]
Nur
meine
Bereitschaft,
auf
den
Nächsten
zuzugehen,
ihm
Liebe
zu
erweisen,
macht
mich
auch
fühlsam
Gott
gegenüber.
Nur
der
Dienst
am
Nächsten
öffnet
mir
die
Augen
dafür,
was
Gott
für
mich
tut
und
wie
er
mich
liebt.
Die
Heiligen
...
haben
ihre
Liebesfähigkeit
dem
nächsten
Gegenüber
immer
neu
aus
ihrer
Begegnung
mit
dem
eucharistischen
Herrn
geschöpft,
und
umgekehrt
hat
diese
Begegnung
ihren
Realismus
und
ihre
Tiefen
eben
von
ihrem
Dienst
an
den
Nächsten
her
gewonnen
"
(
Deus
Caritas
est,
18).
Deshalb
bleiben,
wie
es
uns
der
heilige
Leopold
anziehend
vorgelebt
hat,
Gottes-
und
Nächstenliebe
stets
untrennbar
miteinander
verbunden.
Liebe
Augustiner-Chorherren!
Wenn
Sie
sich
täglich
mehrmals
am
Tag
zum
gemeinsamen
Gebet
treffen,
um
gestärkt
durch
die
Begegnung
mit
Gott
den
Menschen
an
den
Orten
dienen
zu
können,
an
die
Er
jeden
einzelnen
von
Ihnen
gestellt
hat,
erfüllen
Sie
den
Auftrag
des
Herrn.
In
den
Heiligen,
wie
z.
B.
im
heiligen
Markgrafen
Leopold,
wird
sichtbar:
„
Wer
zu
Gott
geht,
geht
nicht
weg
von
den
Menschen,
sondern
wird
ihnen
erst
wirklich
nahe
"
(
Deus
Caritas
est,
42).
Primat
des
geistlichen
Lebens
Natürlich
weiß
ich
auch,
daß
Sie
alle
viele
Verpflichtungen
und
Aufgaben
in-
und
außerhalb
des
Konventes
für
die
Kirche
und
in
der
Kirche
in
danÂkenswerter
Weise
wahrnehmen.
So
unterschiedlich
diese
Aufgaben
auch
sein
mögen,
so
haben
sie
doch
alle
etwas
gemeinsam:
die
Rückbindung
an
Gott,
die
in
der
innigen
Christusbeziehung
und
im
gemeinsamen
Gebet
wurzelt.
Wo
diese
innige
Christusbeziehung
verloren
geht,
kann
nichts
gut
oder
heil
sein.
Wer
Gott
aus
den
Augen
verliert,
hat
alles
verloren!
Deshalb
betont
das
II.
Vatikanische
Konzil
in
seinem
Dekret
über
die
zeitgemäße
Erneuerung
des
Ordenslebens
mit
dem
Titel
Perfectae
Caritatis
in
besonderer
Weise
den
Primat
des
geistlichen
Lebens:
„
Wer
sich
auf
die
evangelischen
Räte
verpflichtet,
muß
vor
allem
Gott,
der
uns
zuvor
geliebt
hat
(cfr.
1
Joh
4,10),
suchen
und
lieben
und
sich
in
allen
Lebensumständen
bemühen,
ein
mit
Christus
verborgenes
Leben
(cfr.
Kol
3,3)
zu
führen
...
Darum
müssen
die
Mitglieder
der
Institute
den
Geist
des
Gebetes
und
das
Gebet
selbst
aus
den
echten
Quellen
der
christlichen
Frömmigkeit
schöpfen
und
mit
beharrlichem
Eifer
pflegen
...
"
(II.
Vatikanisches
Konzil,
Perfectae
Caritatis,
6).
Diese
wichtigen
Worte
des
letzten
Konzils
haben
auch
nach
45
Jahren
noch
nichts
an
ihrer
Relevanz
für
das
heutige
Ordensleben
verloren.
Sie
scheinen
mir
richtungsweisend
für
Sie
alle
zu
sein.
Warum
hast
du
dann
mein
Geld
nicht
auf
die
Bank
gebracht?
(Lk
19,23)
Im
soeben
verkündeten
und
von
uns
allen
aufmerksam
aufgenommenen
Evangelium
nach
Lukas
spricht
der
Herr
in
Form
eines
Gleichnisses
zu
uns.
Das
Gleichnis
vom
Mann
von
vornehmer
Herkunft,
der
seinen
Dienern
vor
der
Abreise
in
ein
fernes
Land
sein
Geld
anvertraut
und
später
von
ihnen
Rechenschaft
fordert
(cfr.
Lk
19,12-26),
scheint
mir
gerade
für
die
gegenwärtige
Zeit
sehr
passend:
Nein,
wir
dürfen
das
empfangene
Erbe
nicht
verkommen
lassen!
Dabei
ist
ein
passives
Verhalten,
das
sich
lediglich
darauf
beschränkt,
nichts
Böses
zu
tun,
eindeutig
zu
wenig,
wie
es
uns
Christus
durch
das
Evangelium
vor
Augen
führt:
„
Warum
hast
du
dann
mein
Geld
nicht
auf
die
Bank
gebracht?
Dann
hätte
ich
es
bei
der
Rückkehr
mit
Zinsen
abheben
können.
[...]
Du
bist
ein
schlechter
Diener"
(
Lk
19,22-23).
Der
Herr
fordert
von
uns
die
Initiative!
Dies
gilt
für
fast
alle
Bereiche
unseres
Lebens:
für
den
Glauben,
die
Nächstenliebe,
die
Familie,
die
Politik,
die
Wirtschaft,
die
Kunst
etc.
An
Leopoldi
möchte
ich
die
Heimat
und
den
Dienst
an
ihr
herausgreifen,
die
einen
wichtigen
zu
schützenden
Wert
darstellen.
Die
Liebe
zu
unserer
Heimat
bedeutet
immer
auch
eine
Liebe
zu
den
Werten,
die
uns
der
christliche
Glaube
vermittelt
und
die
in
der
abendländisch-geistigen
Kunst
und
Kultur
eindrücklich
ihren
Niederschlag
gefunden
haben.
Der
heilige
Leopold
möge
uns
hier
ein
Vorbild
und
Fürsprecher
sein,
indem
wir
uns
bemühen,
daß
die
christliche
Kultur
nicht
nur
irgendwie
bewahrt
wird,
sondern
auch
heute
und
morgen
zum
Wohl
der
Menschen
in
diesem
Land
fruchtbar
bleibt.
Kirche
und
Politik
tragen
ein
hohes
Maß
an
Verantwortung
dafür,
daß
der
Begriff
„christlich-abendländische
Kultur"
nicht
nur
mehr
museal
verstanden
wird,
sondern
das
Leben
der
Menschen
in
diesem
Land
prägt
und
inspiriert.
Der
heilige
Markgraf
Leopold
hat
uns
allen
vorgelebt,
was
es
heißt,
Verantwortung
für
das
Land
zu
übernehmen.
Mit
großer
Umsicht
war
er
stets
darauf
bedacht,
in
seinen
Ländern
Zellen
des
Gebetes
zu
fördern.
Damit
er
-
wie
auch
andere
frühere
Herrscher
-
die
Gabe
des
Gebetes
nicht
entbehren
mußte,
stiftete
er
die
Klöster
Klosterneuburg,
Heiligenkreuz
und
„Mariazell
in
Österreich"
(heute
Klein-Mariazell).
Die
Mönche
und
Chorherren
in
diesen
Stiften
beteten
und
beten
für
die
Regierenden.
Am
heutigen
Leopoldifest
wird
uns
auch
bewußt,
daß
wir
auf
das
Gebet
für
unsere
Regierenden
keinesfalls
verzichten
dürfen.
Beten
wir
daher
oft
um
gute
und
heilige
Politiker!
„Das
klare
Beispiel
des
Fürsten
Leopold"
 Lieber
Herr
Abtprimas
Propst
Bernhard!
Liebe
Augustiner-Chorherren!
Was
den
heiligen
Leopold
neben
anderen
Eigenschaften
seiner
Persönlichkeit
für
viele
unter
uns
so
sympathisch
macht,
ist
seine
Friedensliebe.
Nur
zwei
Mal
soll
er
zu
den
Waffen
gegriffen
haben,
um
Einfälle
der
Ungarn
zurückÂzuschlagen.
So
möchte
ich
mit
den
Worten
von
Papst
Innozenz
VIII.
(+1492)
schließen,
der
den
Markgrafen
Leopold
zur
Ehre
der
Altäre
erhoben
hat:
„
Viele
Heilige
zeigen
uns
ihr
Beispiel,
aber
wir
weigern
uns
hartnäckig,
diese
nachzuahmen,
und
wenn
von
unserem
Heil
gesprochen
wird,
schützen
wir
unsere
Schwachheit
oder
unsere
irdischen
Geschäfte
vor.
Das
klare
Beispiel
des
Fürsten
Leopold,
der
verheiratet
war
und
für
viele
Menschen
zu
sorgen
hatte,
ermahnt
uns,
alle
Entschuldigungen
fallen
zu
lassen,
um
uns
im
Guten
zu
üben.
Dieser
Mann
Gottes,
in
Reichtum
erzogen,
immer
der
Freiheit
zur
Sünde
ausgesetzt,
mit
Ehesorgen
und
Regierungsgeschäften
belastet,
vergaß
nie
den
Glauben
und
die
Barmherzigkeit.
Er
war
berühmt
wegen
seiner
Einfachheit,
Mäßigkeit
und
Freigebigkeit.
Seine
Aufrichtigkeit
und
seine
Demut
erwarben
ihm
die
Achtung
aller
Christen.
...
Er
verwaltete
das
Zeitliche
so,
daß
er
das
Ewige
nicht
aus
den
Augen
verlor.
Vierzig
Jahre
regierte
er
das
Land
Österreich.
Während
in
anderen
Ländern
Mord
und
Totschlag
herrschten,
erhielt
er
das
ihm
vertraute
Land
in
langem
Frieden
"
(Bulle
zur
Heiligsprechung
Leopolds,
in:
Officium
S.
Leopoldi,
Klosterneuburg
1997,
16).
Ahmen
wir
daher
fröhlichen
Herzens
Leopold,
den
Heiligen,
nach,
indem
wir
in
unserem
Handeln
maßvoll,
freigebig
und
barmherzig
sind.
Dann
wird
auch
der
Herr
einst
zu
uns
sagen
können:
„
Du
bist
ein
tüchtiger
Diener
"
(
Lk
19,17).
Pontifikalamt
am
Hochfest
des
heiligen
Leopold
in
der
Stiftsbasilika
Klosterneuburg
Predigt
des
Apostolischen
Nuntius
Erzbischof
Dr.
Peter
Stephan
ZURBRIGGEN
(Hochfest
des
hl.
Markgrafen
Leopold,
15.
November
2010)
L1:
Spr
3,13-20;
L2:
Röm
8,26-30;
Ev.:
Lk
19,12-26
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