Inhalt Rechts

Rechte optische Spalte

Inhalt Mitte

Hauptinhalt

Ansprache beim Neujahrsempfang des Herrn Bundespräsidenten (12. Jänner 2015)

Exzellenz, sehr verehrter Herr Bundespräsident!


Vor 200 Jahren fand der Wiener Kongress statt, der nach dem politisch-militärischen Zusammenbruch der Herrschaft Napoleons sich anschickte deren Konkursmasse neu zu ordnen. Ein für die Päpstlichen Nuntien insgesamt nicht unwichtiges Ergebnis dieses Kongresses war, dass sie seither in vielen Ländern als Doyen des Diplomatischen Corps fungieren. So kommt mir heute also die Ehre zu, Ihnen, sehr verehrter Herr Bundespräsident, im Namen aller im Zeremoniensaal der Hofburg versammelten Botschafterinnen und Botschafter, für die Einladung zum Neujahrsempfang zu danken und Ihnen unsere besten Wünsche für das Jahr 2015 auszusprechen.


Wir alle wünschen auch Ihrer Gemahlin und Ihrer Familie, sowie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Mitgliedern der Österreichischen Bundesregierung, insbesondere dem hier anwesenden Herrn Bundesminister Sebastian Kurz, sowie seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres, die uns immer wieder bei der Ausübung unserer Mission tatkräftig und kompetent unterstützen, wie auch dem gesamten österreichischen Volk von Herzen für das neue Jahr Segen, Frieden, Gesundheit und Wohlergehen!


Sehr verehrter Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren!


Hermann Hesse sagt: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", aber auch etwas Geheimnisvolles, bedingt durch das Unbekannte, das auf uns zukommt. Und es stellt sich jedes Mal die Frage: Wird es beim Alten bleiben oder wird es große Veränderungen geben? Unser Leben und unser Dienst als Diplomaten ist von Beziehungen und Begegnungen geprägt und unsere professionelle und persönliche Verantwortung entfaltet sich gerade in und durch die Pflege dieser Beziehungen und Begegnungen.


Als Staatsoberhaupt haben auch Sie, sehr verehrter Herr Bundespräsident, im vergangen Jahr wieder viele Länder besucht und haben so Ihren Beitrag eingebracht, um den Frieden zu fördern, die Entwicklung guter Beziehungen zu verstärken, die Menschenrechte, wo es notwendig war, einzumahnen und zu verteidigen und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit den besuchten Ländern auf der Basis von gegenseitigem Respekt und Solidarität zu vertiefen. Es freut mich ganz besonders, dass Sie im letzten Jahr auch den Vatikan besucht und Papst Franziskus eingeladen haben, nach Österreich zu kommen. Ich hoffe sehr, dass dieser Besuch während Ihrer Amtszeit stattfinden kann.


Rückblickend auf das Jahr 2014 müssen wir leider feststellen, dass es ein Jahr des Krieges und der Krisen war, dass sich viel Schreckliches zugetragen und uns alle zutiefst erschüttert und Angst bereitet hat. Auf Einzelheiten möchte ich hier nicht eingehen.


Gott sei Dank gibt es aber auch viel Positives und Erfreuliches zu verzeichnen: z.B. die Anrufung des Friedens, an der der Präsident des Staates Israel Schimon Peres und der Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, der Heilige Vater Papst Franziskus sowie seine Allheiligkeit Patriarch Bartholomaios I. im Vatikan teilgenommen haben; oder die kürzlich erfolgte Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Kuba. Der Heilige Stuhl hat hierzu einen nicht unbedeutenden Beitrag geleistet. Möge diese „Kultur der Begegnung" viele Nachahmer finden! Ein großes positives Zeichen sehe ich auch in der Verleihung des „Friedensnobelpreises" an die junge mutige Schülerin Malala Yousafzai aus Pakistan und an den indischen Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi.


2015 jähren sich zwei für Österreich bedeutende Jubiläen: Der vor 20 Jahren erfolgte Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, der - wie der Herr Bundeskanzler und der Herr Vizekanzler betont haben - „eine Erfolgsgeschichte darstellt". Das zweite Jubiläum betrifft den Staatsvertrag von 1955, also vor sechzig Jahren, als Österreich seine Freiheit und Souveränität wiedererlangte und die Neutralität erklärte.

Sehr verehrter Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren!


Nicht nur zur Zeit des oben erwähnten Wiener Kongresses, auch und gerade nach 1955, zur Zeit des sogenannten Kalten Krieges, war Wien immer wieder Drehscheibe für Ost-West-Kontakte jeder Art. Als internationaler Amtssitz für Sicherheit, erneuerbare Energie, Entwicklung und Dialog spielt Österreich auf der Bühne der Weltpolitik eine herausragende Rolle. Österreich trägt sehr viel zur schon erwähnten Kultur der Begegnung bei.


Sehr verehrter Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren!


Ich möchte schließen mit einem Wort des griechischen Philosophen Aristoteles, der einmal gesagt haben soll: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen". Ich glaube die Weisheit des Philosophen ist für jeden von uns auch als Auftrag zu verstehen, sein Leben in die Hand zu nehmen und verantwortlich zu gestalten, auch und gerade zum Wohl der Gesellschaft.


In diesem Sinn entbiete ich im Namen aller hier in Wien akkreditierten Botschafterinnen und Botschafter Ihnen allen unsere allerbesten und aufrichtigen Wünsche für ein gutes, gesundes, friedvolles und erfolgreiches Jahr 2015.


Herzlichen Dank!


>> Die Rede herunterladen

>> englische Fassung

>> französische Fassung


>> Zu den Bildern


Ansprache von

S.E. Erzbischof Dr. Peter Stephan ZURBRIGGEN

Apostolischer Nuntius in Österreich

Doyen des Diplomatischen Corps,

beim NEUJAHRSEMPFANG des

Herrn Bundespräsidenten Dr. Heinz FISCHER

(Wien, 12. Jänner 2015)