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Grußwort Buchvorstellung Hospiz in Jerusalem (27. April 2015)

Einleitende Worte des Apostolischen Nuntius Erzbischof Dr. Peter Stephan ZURBRIGGEN anläßlich der Buchpräsentation „Im Orient zu Hause - Das Österreichische Hospiz in Jerusalem" , hrsg. von Hon.-Prof. MMag. Markus Stefan Bugnyar und Ministerialrat Priv.-Doz. Dr. Helmut Wohnout, am Montag, dem 27. April 2015, um 18 Uhr, im Erzbischöflichen Palais, Wien I.



Exzellenz! Sehr geehrter Herr Präsident!

Lieber Mitbruder Maximilian!

Exzellenz! Sehr geehrter Herr Generalsekretär Botschafter Dr. Linhart!

Sehr geehrte Mitglieder des Kuratoriums!

Sehr geehrte Frau Bezirksvorsteherin!

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst!

Meine sehr geehrten Damen und Herrn!


Nachdem Seine Eminenz Kardinal Dr. Christoph Schönborn das schöne neue Buch mit dem signifikanten Titel „Im Orient zu Hause. Das Österreichische Hospiz zu Jerusalem" in Jerusalem schon vor Ort der Öffentlichkeit vorstellen konnte, freue ich mich nun als Apostolischer Nuntius in Österreich, dieses im Erzbischöflichen Palais in Wien präsentieren zu können. Etwas mehr als 150 Jahre nach seiner Gründung wird heute ein in jeder Hinsicht opulenter Band über das Österreichische Hospiz vorgestellt. Als Herausgeber fungieren zwei kompetente Herren: der hochwürdige Herr Honorarprofessor MMag. Markus Stephan Bugnyar als der seit elf Jahren amtierende Rektor des Pilgerhauses und Ministerialrat Privatdozent Dr. Helmut Wohnout, der vor 15 Jahren als Historiker die erste profunde Aufarbeitung der bewegten Geschichte des Pilgerhauses vorgelegt hatte (Das österreichische Hospiz in Jerusalem. Geschichte des Pilgerhauses an der Via Dolorosa. Mit einem Vorwort von Kardinal Franz König, Böhlau Verlag: Wien, Köln, Weimar 2000).



Es ist für mich als Nuntius ein erfreuliches Ereignis, dieses Buch vorzustellen, beschreibt es doch eine der charmantesten Niederlassungen der katholischen Kirche in Jerusalem, wo in anschaulicher Weise die ganze Vielfalt der Weltkirche in ihren unterschiedlichen Facetten sichtbar wird.



Das Österreichische Pilgerhaus war und ist für viele Pilger die letzte Etappe auf ihrem Weg zu den heiligen Stätten des Todes und der Auferstehung Jesu Christi. Von hier, auf der Höhe der dritten Kreuzwegstation, brechen auch heute die im Hospiz wohnhaften Pilger auf, zu ihrem kurzem Weg in die Grabeskirche ( Anastasis ), dem spirituellen Höhepunkt ihrer Reise in das Heilige Land. Damit befinden sie sich direkt auf den Spuren unseres Heilands. Das vom bekannten österreichischen Maler Leopold Kuppelwieser geschaffene Altarbild der Hospizkapelle zeigt es uns anschaulich. Ihm liegt ein eher selten gemaltes Motiv einer biblischen Begebenheit zugrunde. Es zeigt die Heilige Familie mit dem zwölfjährigen Jesus auf ihrem Weg von Galiläa hinauf nach Jerusalem. Noch liegt der letzte, beschwerlichste Teil des Anstiegs vor ihnen. Doch zeichnen sich bereits deutlich die Umrisse der Stadt ab und Josef, der umsichtige Nährvater Jesu, weist Jesus den Weg zu den Heiligen Stätten.



Das Österreichische Hospiz ist bis heute ein einzigartiges Monument des habsburgischen Vielvölkerstaates vor 1914. Das macht einen beträchtlichen Teil seines Charmes aus. Es ist dem Rektor zu danken, dass er darum bemüht ist, dieses reiche historische Erbe des Hauses mit großer Sorgfalt zu bewahren. Dabei geht es aber um mehr als um historische Reminiszenzen oder vordergründige Nostalgie. Denn das Hospiz war stets ein Haus, das die übernationale Tradition der Kirche der Habsburgermonarchie verkörpert hat. Ganz bewusst firmierte es in den letzten Jahrzehnten vor dem Ende des habsburgischen Vielvölkerreiches auch als „österreichisch-ungarisches Pilgerhaus zur Heiligen Familie". Es sollte ein Haus sein, wo nicht der nationale Zwist, sondern die Gemeinschaft der Völker der Monarchie im Zeichen ihres gemeinsamen Glaubens an den Auferstandenen im Vordergrund stand. Am vielleicht schönsten sichtbar wird dies im Bildprogramm des Apsismosaiks der Hospizkapelle.


Im Zentrum steht rund um das auf dem Buch mit den sieben Siegeln ruhenden Lamm Gottes der große Kirchenvater Hieronymus. Aus Dalmatien stammend darf er - kirchengeschichtlich gesehen - wohl nach wie vor als bedeutendster Jerusalempilger Mitteleuropas angesehen werden. Um ihn herum gruppieren sich die großen und bis heute in ihren Ländern gleichsam populären wie verehrten Landesheiligen der habsburgischen Monarchie, angefangen vom Heiligen Leopold über den Heiligen Stephanus, den Heiligen Wenzel bis zum Heiligen Stanislaus. Wolfgang Bandion und Helmut Wohnout weisen in ihrem Beitrag über dieses zentrale Mosaik zu Recht darauf hin, dass es sich um ein besonders „schönes und symbolträchtiges Motiv für ein basierend auf seiner christlichen Identität geeintes Europa" handelt.


In seiner viel beachteten Ansprache vor dem Europäischen Parlament am 25. November 2014 hat der Heilige Vater Papst Franziskus eindringlich gemahnt, dass „ein Europa, das nicht mehr fähig ist, sich der transzendenten Dimension des Lebens zu öffnen [...] in Gefahr gerät, allmählich seine Seele zu verlieren" (Papst Franziskus: Ansprache, 25.11.2014). Gerade die großen Heiligengestalten aus der Mitte des Kontinents können uns auch heute Fürsprecher dafür sein, dem Weckruf des Heiligen Vaters folgend, die religiöse Dimension des Kontinents nicht aus dem Auge zu verlieren. Im Heiligen Land bietet sich dem gläubigen Besucher eine gute Möglichkeit, zu den religiösen Wurzeln europäischen Denkens vorzudringen. Gerade auch deshalb vermag die Wallfahrt nach Jerusalem eine große Hilfe und Stütze zu sein, um im Sinne des Heiligen Vaters unserem Kontinent die größere Perspektive des transzendenten, „himmlischen" Jerusalems offen zu halten.



Abschließend darf auch ich heute meinerseits gerne unterstreichen, was über dieses vorliegende Buch in signifikanter Weise geschrieben wurde: „Neben dem inhaltlich hohen Anspruch der Beiträge hat das Buch von seinem äußeren Erscheinungsbild her die Form eines großzügig gestalteten Bildbandes, der die kunsthistorischen Schönheiten des Hauses und seine einmalige Lage in der Altstadt Jerusalems zur Geltung bringt. Es ist ein Band zum Blättern und Betrachten, genauso wie zum Lesen und zum vertiefenden Studium."


In diesem Sinne wünsche ich diesem wunderschönen, bilderreichen Buch mit seinen vielseitigen Beiträgen, eine große Verbreitung und eine interessierte Leserschaft.


Danke für Ihre Aufmerksamkeit!



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Es gilt das gesprochene Wort!