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Ansprache beim Neujahrsempfang des Herrn Bundespräsidenten (12. Jänner 2016)

 

Exzellenz, sehr geehrter Herr Bundespräsident!

 

Es ist für mich als Doyen des Diplomatischen Corps eine außerordentlich hohe Ehre hier und heute im imposanten Zeremoniensaal der Hofburg Ihnen, sehr geehrter Herr Bundespräsident, im Namen aller hier anwesenden Bot­schafterinnen und Botschafter die herzlichsten Glückwünsche zum Beginn des neuen Jahres aus­zusprechen. In diese Glückwünsche schließen wir ganz be­sonders auch ihre Gemahlin und Ihre Familie ein, Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Mitglieder der Bundesregierung. Ich darf bei dieser Gelegenheit auch dem hier anwesenden Herrn Bundesminister für Europa, Inte­gration und Äußeres, unsere Glück­wünsche übermitteln, verbunden mit unserem Dank für die kompetente Unter­stützung und Hilfe, die unsere Missionen während des vergangenen Jahres von Ihnen und dem Team Ihrer Mitar­beiterinnen und Mitarbeiter stets erfahren durften. Ganz besonders wünschen wir aber dem österreichischen Volk von Herzen Gottes Segen, Frieden, Glück, Wohlergehen und Gesundheit für das Jahr 2016.

 

Das vergangene Jahr haben Sie, Herr Bundespräsident, als ein „ ereignisreiches “ Jahr charakterisiert. Das können wir alle nur bestätigen. Bundeskanzler und Vize­kanzler haben die Bilanz des vergangenen Jahres prägnant so zusam­men­gefasst. Ich zitiere: „Das Jahr 2015 war von Herausforderungen geprägt, die in diesem Ausmaß niemand vorhergesehen hatte. Vor allem die Flüchtlingskrise hat alle gefordert: von der Bevölkerung über die Einsatzkräfte und Hilfsor­gani­sati­onen bis zur Politik.“ Gleichzeitig haben sie auch schon auf die uns war­tenden Aufgaben in der Bewältigung der Flüchtlingskrise hingewiesen: „Der schwierige Weg zur Lösung führt vor allem über die Verbesserung der Lage in den Herkunftsländern und die stärkere Sicherung der EU-Außengrenzen. Um trag­fähige Maßnahmen durchzusetzen, braucht es mehr denn je ein gemein­sames Vorgehen der Europäischen Union. Je rascher, desto besser. Dafür setzt sich die Bundesregierung auf allen Ebenen ein“ (Kleine Zeitung, 23. Dezember 2015, S. 41). 

 

Dieses Programm ist eine deutliche Absage an die globalisierte Gleichgültigkeit, die Trägheit und Teilnahmslosigkeit, die wie Papst Franziskus in seiner Bot­schaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2016 geschrieben hat, „einen Nähr­boden bilden, auf dem Situationen von Ungerechtigkeit und schwer­wiegendem sozialen Ungleichgewicht fortdauern, die dann ihrerseits zu Kon­flikten führen können oder in jedem Fall ein Klima der Unzufriedenheit erzeugen, das Gefahr läuft, früher oder später zu Gewalt und Unsicherheit zu eskalieren“ (op. cit. n. 4).

 

Wir sind uns unserer gemeinsamen Werte bewusst: Freiheit, Demokratie, Men­schen­rechte, Vielfalt, Toleranz – auch religiöse und kulturelle. All diese Werte sollen wir mutig verteidigen, für diese Werte müssen wir einstehen und sie schützen, in gemeinsamer Verantwortung und Solidarität. Das kommende Jahr wird darum auch ein anspruchsvolles Jahr werden. „ Wir verlieren nämlich nicht die Hoffnung, – sagt uns Papst Franziskus – dass sich im Jahre 2016 alle entschieden und zuversichtlich dafür engagieren, auf verschiedenen Ebenen die Gerechtigkeit zu verwirklichen und für den Frieden zu arbeiten (op. cit. n.1.).

 

Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Meine Damen und Herren!

 

Wenn wir auf das vergangene Jahr zurückblicken, dann muss man leider fest­stellen, dass es von Anfang an bis zu seinem Ende von Kriegen und terroristischen Aktionen mit ihren tragischen Folgen, Entführungen, ethnisch und religiös motivierten Verfolgungen und Machtmissbrauch charakterisiert ist. Diese schreck­­lichen Zustände haben sich in vielen Regionen der Welt so vervielfältigt und Züge angenommen, dass man von einem „Dritten Weltkrieg in Abschnitten“ sprechen könnte (Papst Franziskus). Im März erschütterte uns die Germanwings-Katastrophe und im April das Erdbeben in Nepal, bei dem mehrere tausend Men­schen ums Leben kamen.

 

Das vergangene Jahr war aber auch ein Jahr der Erinnerungen: wir gedachten des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren und der Befreiung des Kon­zentrationslagers Mauthausen durch Einheiten der US-Armee. Auch die Jahres­tage des ersten Atombombenabwurfes auf Hiroshima und Nagasaki, am 6. und 9. August 1945, gaben Anlass zu ernstem Gedenken.

 

Vor 70 Jahren wurde die UNO gegründet und seit 60 Jahren ist Österreich Mit­glied. Vor 60 Jahren wurde der Staatsvertrag im Schloss Belvedere unter­zeich­net. Die Universität Wien feierte 650 Jahre ihrer Gründung und die Technische Universität 200 Jahre.    

 

In diesem Zusammenhang dürfen wir Diplomaten natürlich nicht den Wiener Kon­gress vergessen (1814–1815). Vor 200 Jahren dichtete Aloys Weissenbach den Text, der von Ludwig van Beethoven in der Kantate „Der glorreiche Augen­blick“ vertont wurde. In diesem Text kommt das neu gestärkte Selbst­bewusst­sein der Donaumetropole zum Ausdruck, wenn da steht: „Was nun die Erde hoch und hehres hat, in meinen Mauern hat es sich versammelt! … Europa bin ich – nicht mehr eine Stadt“ (In: Europa in Wien. Der Wiener Kongress 1814/15, S. 13). 

 

Dieses Selbstbewusstsein spürt man auch heute noch, 200 Jahre später, hier in Wien, Sitz vieler internationaler Organisationen und beliebter Tagungsort be­deutender Konferenzen. Ich nenne nur u.a.: das Abkommen betreffend das Atomprogramm mit dem Iran; die Friedens-Bemühungen in Syrien im Rahmen des „Wiener Dialogs“; die große Wiener Westbalkan-Konferenz im Monat Au­gust. Auch die Abkommen zur Wiederherstellung des Friedens in der Ukraine und Libyen lassen auf eine bessere friedvolle Zukunft für diese Länder hoffen.

 

Als Diplomaten freuen wir uns auch über die Verleihung des Friedens-Nobel­preises an das Quartett aus Tunesien. Große Hoffnungen setzen wir auch in der Erfüllung der nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) bis zum Jahre 2030 und über das weltweite Klimaschutzabkommen von Paris. All das darf uns mit einem vorsichtigen aber durchaus berechtigten Optimismus für die Zukunft in unserem gemeinsamen Haus erfüllen. 

 

Sehr verehrter Bundespräsident! Meine Damen und Herren!

 

In diesem Jahr, im Monat April, wird ein neuer Bundespräsident oder eine Bun­despräsidentin vom österreichischen Volk gewählt werden. Ich möchte Ihnen, Herr Bundespräsident, im Namen von uns allen, sehr herzlich danken und  gratu­lieren, für die noble Art, wie Sie in all diesen Jahren dieses hohe Amt zum Wohl aller in Österreich le­ben­den Menschen ausgeübt haben. Wir danken Ihnen für Ihr ausgesprochen freundliches Wohlwollen, das Sie immer wieder uns Diplomaten gezeigt und entgegen­ge­bracht haben. In diesen unseren Dank schließen wir auch Ihre liebe Gattin ein. Und da meine Kolleginnen und Kollegen inzwischen alle schon fast ein wenig echte Wiener geworden sind, sagen wir Ihnen, lieber Herr Bundespräsident, dankbar für die gemeinsam verbrachten Jahre aber auch mit leiser Wehmut beim Ab­schied leise „Servus“.

 

Herzlichen Dank!

 

 

 

 


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Ansprache von

S.E. Erzbischof Dr. Peter Stephan ZURBRIGGEN

Apostolischer Nuntius in Österreich

Doyen des Diplomatischen Corps

beim NEUJAHRSEMPFANG des

Herrn Bundespräsidenten Dr. Heinz FISCHER

(Wien, 12. Jänner 2016)