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Predigt bei der I. Vesper zum Kirchweihefest im Priorat der Benediktinerinnen der Anbetung (25. Juni 2014)

I. Vesper zum Kirchweihefest

im Priorat der Benediktinerinnen der Anbetung, Wien XVI.

 

Ansprache des Apostolischen Nuntius

Erzbischof Dr. Peter Stephan ZURBRIGGEN

 

(I. Vesper von der Kirchweihe, 25. Juni 2014, 17 Uhr)

Kurzlesung: Ez 43,2.4-7

 

 

Ehrwürdige Mutter Generalpriorin [M. M. Helene Binder OSB]!

Ehrwürdige Mutter Priorin [Sr. Michaela Haslauer OSB]!

Liebe Benediktinerinnen!

Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst!

Liebe Ordensleute!

Meine Brüder und Schwestern im Herrn!

 

 

Gerne bin ich heute gekommen, um die erste Vesper zum Kirchweihfest mit Ihnen allen zu feiern und Ihnen als Apostolischer Nuntius die Grüße und den Segen unseres Heiligen Vaters Papst Franziskus zu bringen. In Rahmen dieser schönen Feier werde ich auch die Einsetzung einer Reliquie vom heiligen Papst Johannes Paul II. vornehmen. Dies tue ich mit großer Freude, denn es war Papst Johannes Paul II., der mir am 6. Jänner 1994 im Petersdom in Rom die Bischofsweihe gespendet hat ...

 

Anbetung: „eine unerschöpfliche Quelle der Heiligkeit“

 

Noch kurz vor seinem Tod hat der heilige Papst Johannes Paul II. die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia über die Eucharistie und die Beziehung zur Kirche veröffentlicht, in der er auf die Bedeutung und Wichtigkeit der Anbetung des allerheiligsten Sakramentes für die Kirche hingewiesen hat. Dabei ermutigt der Heilige, der Anbetung des allerheiligsten Sakramentes „täglich einen weiten Raum“ einzuräumen. Denn so wird die Anbetung „zu einer unerschöpflichen Quelle der Heiligkeit“ (cfr. hl. Papst Johannes Paul II.: Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, 10).

 

„Gott und seine unergründliche Liebe“

 

Liebe Benediktinerinnen der Anbetung! Ich möchte Ihnen meinen besonderen Dank dafür aussprechen, daß Sie täglich von früh bis spät und regelmäßig auch über Nacht in Ihrer Kirche das Allerheiligste Sakrament zur Anbetung aussetzen und dabei für die Anliegen der Kirche in Österreich und auf der ganzen Welt beten. In diesem Zusammenhang möchte ich auch an die Worte von Papst Benedikt XVI., die dieser anläßlich seines Pastoralbesuches in Österreich an die Menschen gerichtet hat, erinnern: „Als geistliche Oase zeigt ein Kloster der heutigen Welt das Allerwichtigste, ja das letztlich allein Entscheidende: daß es einen letzten Grund gibt, um dessentwillen es sich zu leben lohnt: Gott und seine unergründliche Liebe“ (Papst Benedikt XVI.: Ansprache beim Besuch der Abtei Heiligenkreuz, 9.07.2007). Aus diesem Grund verwundert es auch nicht, daß Sie in den letzten Jahren mit zahlreichen Berufungen gesegnet wurden. Denn gute und zahlreiche Berufungen in der Kirche sind immer die Frucht des Gebetes, wie es uns auch Papst Franziskus immer wieder sagt: „Die Berufungen entstehen im Gebet und aus dem Gebet; und allein im Gebet können sie Bestand haben und Frucht tragen“ (Papst Franziskus: Angelus, 21.04.2013).

 

„Unsere Anbetung sollte nie aufhören.“

 

Der Prophet Ezechiel läßt uns in der eben vernommenen Kurzlesung an seiner Vision von der Rückkehr des Herrn teilhaben: „Menschensohn, das ist der Ort, wo mein Thron steht, und der Ort, wo meine Füße ruhen; hier will ich für immer mitten unter den Israeliten wohnen“ ( Ez 43,7). In gewisser Weise kann man sagen, daß diese Vision des Propheten Ezechiel ein Vorausbild für die bleibende Gegenwart Jesu Christi in der heiligen Eucharistie darstellt. Der Tabernakel in der Kirche ist jener heilige Ort, wo Gottes „Füße ruhen“, wo sein „Thron steht“ und wo er für immer mitten unter uns ist. Deshalb sagt der hl. Papst Johannes Paul II. auch in seinem Apostolischen Schreiben Dominicae Cenae über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie: „Die Kirche und die Welt haben die Verehrung der Eucharistie sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafür zu schade, um ihm dort zu begegnen: in der Anbetung, in einer Kontemplation voller Glauben, bereit, die große Schuld und alles Unrecht der Welt zu sühnen. Unsere Anbetung sollte nie aufhören“ (hl. Papst Johannes Paul II.: Apostolisches Schreiben Dominicae Cenae, 3). Gott will von uns angebetet werden! „Im Augenblick der Anbetung“, so sagt es uns Papst Benedikt XVI., „sind wir alle auf derselben Ebene, auf Knien vor dem Sakrament der Liebe. Das allgemeine Priestertum und das Amstpriestertum finden sich im eucharistischen Kult vereint“ (Papst Benedikt XVI.: Predigt, 7.06.2012).

 

Lassen wir uns vom Herrn verwandeln!

 

Wichtig erscheint mir noch zu betonen, daß die Anbetung nicht bloß ein isolierter Teil unseres Lebens ist. Ganz im Gegenteil, das Sakrament der Liebe Gottes muß unser ganz alltägliches Leben durchdringen. Wer zur hl. Messe und zur Anbetung geht, läßt sich von Gott verwandeln. Der Anbeter Gottes läßt sich von Gott innwendig umgestalten. Deshalb lehrt uns auch der Heilige Vater Papst Franziskus beständig: „Den Herrn anzubeten bedeutet, zu sagen und zu glauben – aber nicht nur mit Worten –, daß er allein wirklich unser Leben lenkt. Den Herrn anzubeten bedeutet, daß wir vor ihm die Überzeugung gewinnen, daß er der einzige Gott, der Gott unseres Lebens, der Gott unserer Geschichte ist“ (Papst Franziskus: Predigt, 14.04.2013).

 


Liebe Benediktinerinnen der Anbetung!

Liebe Brüder und Schwestern!

Lassen wir uns stets von Christus, dem Sohn Gottes, verwandeln! Feiern wir alle Tage unseres Lebens das eucharistische Geheimnis und beten wir es als den Mittelpunkt unseres Lebens und Herz der ganzen Welt an! In diesem Sinn bitte und ermutige ich Sie alle weiter beständig für die ganze Kirche, den Heiligen Vater und für uns alle zu beten! Im schönen Herz-Jesu-Monat Juni möchte ich mit dem Versikel der Litanei zum heiligsten Herzen Jesu schließen: Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, bilde unser Herz nach deinem Herzen! Amen.