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480 Jahre seit der Bestellung des ersten permanenten Apostolischen Nuntius in Wien - Pontifikalamt mit Nuntius Peter Zurbriggen in der Wiener Franziskanerkirche (14. Juni 2009)

 

Hochwürdiger Pater Guardian!

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Liebe Söhne des heiligen Franziskus in Wien!

Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Ich freue mich, daß mein erster Besuch und Gottesdienst in der prächtigen Franziskanerkirche „St. Hieronymus" mit einem in der Geschichte der Beziehungen zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl nicht unbedeutenden Gedenktag zusammenfällt. Heute nämlich sind es genau 480 Jahre her, seitdem ein Apostolischer Nuntius für Österreich in permanenter Weise vom Papst bestellt wurde. Daher freut es mich, daß ich im Anschluß an diese hl. Messe im Kreuzgang des Klosters eine Gedenktafel einweihen kann, die an diesen historisch bedeutsamen Moment erinnern will. In diesem Zusammenhang ist es mir ein Anliegen, zuallererst den Franziskanern, dann aber auch dem Künstler, den Verantwortlichen des Bundesministeriums für Inneres und des Wiener Stadterweiterungsfonds sowie allen, die bei der Vorbereitung mitgewirkt und zur schönen Gestaltung dieser Gedenkfeier ihren Beitrag geleistet haben, mein herzliches „Vergelt's Gott" auszusprechen.

Erlauben Sie mir daher zu Beginn einen kurzen Rückblick auf den Anlaß der heutigen Feier. Am 14. Juni 1529 ernannte Papst Clemens VII. den Erzbischof Vincenzo Pimpinella (1529-1532) zum Apostolischen Nuntius bei König Ferdinand I. am Wiener Hof. Dies war die schreckliche Zeit der ersten Türkenbelagerung. Wien und das Heilige Römische Reich waren durch den Einfall türkischer Horden ernsthaft bedroht. Nuntius Pimpinella selbst verbrachte zu Beginn seiner Mission nur wenige Wochen in Wien und zog sich danach zwei Jahre lang ins Grazer Kloster der Karmeliter zurück. Erst im Jahre 1531 kehrte er wieder nach Wien zurück. Der Konvent der Franziskaner diente dann bis zum Jahre 1630 als erster provisorischer Sitz der Päpstlichen Nuntiatur in Wien. Mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges übersiedelte die Nuntiatur im Jahre 1630 in das Althann'sche Palais „Am Hof", unweit der Kirche „Zu den Neun Chören der heiligen Engel", an den Ort, an dem sich heute die Kontrollbank befindet. Im Jahre 1913 erfolgte schließlich die Übersiedlung der Nuntiatur in die Theresianumgasse im IV. Stadtbezirk. Dort war dank einer großzügigen Spende S.M. Kaiser Franz Joseph I. und einiger Mitglieder des österreichischen Hochadels ein neues Palais errichtet worden, in dem der Apostolische Nuntius auch heute noch wohnt.

Liebe Brüder und Schwestern! Als Nuntius, der den Heiligen Vater in diesem Lande vertritt, darf ich heute zu Ihnen sprechen und Ihnen die besten Segenswünsche Seiner Heiligkeit überbringen. Wie Sie wissen, besteht die vornehmliche Aufgabe des Papstes darin, die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken. Papst Benedikt XVI. hat vor einiger Zeit gesagt: „Der Glaube ist einfach. Glauben heißt, Jesus Christus vertrauen. Er offenbart uns den Vater und zeigt uns den Weg zum wahren, glücklichen Leben. Öffnen wir Christus unser Herz und lernen wir von ihm, so Mensch zu sein, wie Gott es will" ( Angelus am 6. Juli 2008).

Mensch zu sein, so wie Gott es will, das ist eine Aufgabe, die unser ganzes Leben ausfüllt. Wir sind miteinander auf dem Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Und dieses Ziel heißt: wir müssen heilig werden. Deshalb hat Gott uns von der Sklaverei des Todes und der Sünde befreit. In der Taufe haben wir gewissermaßen das Samenkorn empfangen, aus dem auch in unserem Leben das Reich Gottes wachsen und sich entfalten soll. Dies ist der Plan Gottes mit einem jeden von uns: ein neues, sinnvolles und heiliges Leben in seiner Gegenwart zu führen.

Letztlich geht es doch im christlichen Leben darum, den Willen Gottes zu erkennen und zur Erfüllung zu bringen. Den Willen Gottes zu erfüllen, liebe Brüder und Schwestern, das heißt nichts anderes, als die Gebote Gottes zu beachten und so in die Nachfolge Jesu einzutreten. Dabei dürfen wir nicht vergessen, daß Jesus von jenen, die ihm nachfolgen, zwei Dinge verlangt: Erstens, sich selbst zu verleugnen, und, zweitens, täglich sein Kreuz auf sich zu nehmen. Er selbst sagt: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten" (Lk, 9, 23-24).

Im Evangelium ist Jesus unser Lehrer. Häufig wählt er Gleichnisse, um uns seine Botschaft vom Reiche Gottes zu vermitteln. So ist im heutigen Sonntags-Evangelium von einem Mann die Rede, der „Samen auf seinen Acker sät; dann schläft und wieder aufsteht, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie" (Mk 4, 26-27). Bezogen auf uns alle und im Besonderen auf die Arbeit derer, die sich ganz in die Nachfolge des Herrn haben rufen lassen, dürfen wir festhalten: Niemand von uns weiß, wann, in welchem Maße und ob überhaupt das Werk unserer Hände Frucht bringt und ob aus der guten Saat einmal Früchte sprießen. Unsere Saat kann ohne das Zutun Gottes keine Frucht bringen. Uns trägt jedoch die Hoffnung, daß allen unseren menschlichen Unzulänglichkeiten und Begrenztheiten zum Trotz Gott unser gutes Werk weiterführt und es vollendet. Der hl. Apostel Paulus schreibt im Römerbrief: „Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an... und tritt für uns ein" (Röm 8, 26). Wie tröstlich ist es also zu wissen, daß das Reich Gottes weiter wächst, oft zunächst ganz unbemerkt, aber doch wirklich!

Liebe Brüder und Schwestern im Glauben! Auch die Arbeit des Aposto­lischen Nuntius ist der des Sämannes im Evangelium vergleichbar. Diese Arbeit geschieht zu einem guten Teil in der Stille und beansprucht keine große Aufmerksamkeit seitens der Öffentlichkeit. Und der Acker ist, wie wir alle wissen, manchmal nicht einfach zu bearbeiten. Aber das Wirken des Nuntius dient dazu, die Bande der Liebe und der Einheit in und mit der Universalkirche unter der Leitung Petri zu stärken. Gott ist es, der den Samen wachsen und reifen und die Saat aufgehen lässt. Daher kann auch der Nuntius sein Tagewerk nur in einem tiefen und unerschütterlichen Vertrauen auf Gottes gütige Führung vollbringen. 480 Jahre sind seit der Bestellung des ersten Nuntius in Wien vergangen. Wie meine Vorgänger, so vertraue auch ich meine Arbeit für die Kirche in Österreich dem Gebet der Gläubigen an. Beten wir gemeinsam, daß Gott die Arbeit der Nuntiatur heute und in Zukunft mit guten Früchten segne! Denn, wie das Tagesgebet formuliert, Gott ist unsere Hoffnung und unsere Stärke, ohne ihn vermögen wir nichts. Amen.

 

Pontifikalamt in der Franziskanerkirche in Wien anläßlich der Enthüllung einer Gedenktafel zur Bestellung eines permanenten Apostolischen Nuntius in Wien vor 480 Jahren - Predigt von S.E. Erzbischof Dr. Peter Stephan Zurbriggen, Apostolischer Nuntius in Österreich (Wien, 14. Juni 2009)

 

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